Wildbienen - und wie du sie schützen kannst

09. März 2021

Österreich beherbergt rund 700 Bienenarten unter der Überfamilie Apoidae, wovon nur die Gattung Apis, die „Honigbienen“, nicht zu den sogenannten „Wildbienen“ gezählt wird. Es erstaunt daher, wie viel Aufmerksamkeit einer einzigen Art, der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) zu Teil wird, obwohl noch hunderte weitere heimische Bienenarten für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen sorgen: Hummeln, Holzbienen, Sandbienen, Maskenbienen, Pelzbienen uvw.

 

Foto Hummel auf Blume

Nicht nur die Honigbiene bestäubt unsere heimischen Wild- und Kulturpflanzen

Wildbienen leben im Vergleich zur Honigbiene häufig solitär als Einzelgänger, benötigen aber wie die Honigbiene Pollen für die Aufzucht ihrer Nachkommen und Nektar als „Treibstoff“ für die Pollensammlung. Neben einem geeigneten Nahrungsangebot sind Wildbienen jedoch auch angewiesen auf nahe gelegene Nistplätze (z.B. Hohlräume in Totholz, sandigem Boden, hohle Stängel, Lehmwände etc.) sowie dafür geeignetes Baumaterialwie z.B. Blätter (Blattschneiderbienen) oder Pflanzenhaare (Wollbienen) zur Auskleidung der Bruträume.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der (Westlichen) Honigbiene liegt im Mittelmeerraum und Gebieten des Vorderen Orients sowie Nordafrika. Durch ihre Kultivierung durch den Menschen wurde sie jedoch weltweit verschleppt und wird auch im Naturschutz häufig als Symbol für die Bedeutung bestäubender Insekten verwendet.

Heimische Wildbienenarten bleiben dabei jedoch oft unerwähnt, wodurch in den letzten Jahrzehnten eine nicht unproblematische Bewegung zur immer weiteren Förderung der Honigbienen-Bestände entstanden ist. Die Honigbiene übt dabei einen großen Konkurrenzdruck auf Wildbienenarten aus, wodurch diese, zudem verstärkt durch die Intensivierung der Landwirtschaft, keine Nahrung mehr finden und immer weiter verdrängt werden.

Damit nicht nur die Honigbiene, sondern auch andere Bienenarten weiterhin geeignete Lebensräume finden, können wir sie in unseren Gärten und auf Balkonen in vielfältiger Art und Weise unterstützen.

Dr. Timo Kopf, Biologe und Mitglied des Österreichischen Wildbienenrats, hat seine Top-10 der Maßnahmen für die Anlage eines wildbienenfreundlichen Gartens/Balkons für uns aufgelistet:

  1. Ausmagerung der Wiesen bzw. Düngeverzicht. Nitrifizierung führt zu Verlust in der Artenvielfalt der Pflanzen und somit auch der Tiere.
  2. Ausbringung autochthonen Saatgutes von wichtigen heimischen Nektar- und Pollenpflanzen.Für spezialisierte (oligolektische) Bienen sind z.B. folgende Taxa wertvoll: Schmetterlingsblütler außer die üblichen Kleearten (führen zur Nitrifizierung über Knöllchenbakterien), Lippenblütler, Glockenblumen, Knautien, Gilbweiderich (gelbblütig), Kreuzblütler, Reseda, Lauch,... Für viele unspezialisierte, aber auch für manche spezialisierten Insekten sind auch Korbblütler (kein Löwenzahn!) und Doldenblütler wichtig. Auch diverse Baum- und Straucharten können das Nektarangebot stark verbessern (z.B. Obstbäume, Linden, Ahorn, Eichen, Hollunder, Schlehe). Keine Neophyten wie Goldrute, Springkraut, Strauchknöterich oder Robinien verwenden.
  3. Mosaikmahd. abwechselnd nur Teile der Wiese mähen und erst wenn das Nahrungsangebot hier wieder vorhanden ist, den nächsten Abschnitt mähen - Kontinuität des Angebotes wahren!
  4. (Teil-)Mahd erst nach Samenreife! Dazu "schlampige" Mahd durch lokales Stehenlassen von dichteren Blütenständen - quadratmeterweise.
  5. Besser weniger Pflanzenarten mit vielen Individuen als viele Arten mit wenigen Individuen. Zum Beispiel bei geringem Platzangebot (kleiner Balkon o.ä.) – sonst hat niemand ausreichend von dem, was er braucht.
  6. Anlage von trockenen, sandigen Bodenstellen für die Nestanlage von Bodennistern. An südexponierten Böschungen oder in Form von Hügeln. Ungewaschenen Sand verwenden, keine Humusauflage!
  7. Bau von Nisthilfen. Wichtig ist die sachgemäße Bauweise, da sie sonst nicht angenommen werden! Die Ablagerung von Lehm(haufen) als wichtigen Baustoff für Zellverschlüsse in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Nisthilfen ist zu bedenken.
  8. Bei nötigem Fällen von Bäumen 2m der Stammbasis als Totholzangebot stehen lassen. Zum Beispiel für Bockkäfer und in weiterer Folge von Wildbienen als Nachsiedler der Käferfraßgänge. Nichtbenötigtes Stamm- oder Astholz kann in Form von Holzstapeln an sonnigen Waldrändern oder Hausmauern, wenn möglich etwas überdacht, als Totholz angeboten werden. Wichtig: Dieses später nicht verbrennen, da sich dann die Tiere darin befinden. Daher sollten Brennholzstapel, die weiter genutzt werden, abgedeckt werden, andernfalls werden sie zu biologischen Fallen.
  9.  Ausfindigmachen von hoch frequentierten Nestaggregationen. Hier befindet sich der Großteil der lokalen bodennistenden Bienenlebensgemeinschaft (bis zu 40 Arten an einem Standort). Diese im Nahbereich doppelt und dreifach nachbauen, um Gefahr der kompletten Zerstörung bei baulichem Platzbedarf zu verringern.
  10. Verzicht auf Honigbienenvölker im Garten. Der Bedarf von ca. 300 l Nektar pro Volk und Jahr neben großen Mengen an Pollen kann zu massiven Engpässen bei Wildbestäubern führen.

Viel Freude beim Umsetzen und mit Ihren neuen "Haustieren"!

Weiterführende Links:

Österreichischer Wildbienenrat

WWF - Wildbienen und Insekten brauchen deine Hilfe!

Blütenreich (Projekt der Tiroler Umweltanwaltschaft)

Quelle: Tiroler Umweltanwaltschaft, März 2021