Bundesforste kommen seltenem Baumschläfer auf die Spur

07. September 2023

Überraschende Ergebnisse und neue Einblicke brachte das bundesweite Citizen-Science-Forschungsprojekt der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) zur Suche nach dem äußerst seltenen Baumschläfer. Drei Jahre lang untersuchte man in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund und dem privaten Institut für Wildtierbiologie apodemus sowie mit tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Hobbyforscher*innen Vorkommen und Lebensweise des streng geschützten Kleinsäugers aus der Familie der Bilche.

Baumschläfer in einem Strauch

„Als größter Naturraumbewirtschafter des Landes setzen wir uns auf all unseren Flächen für Artenvielfalt und Naturschutz ein. Selbst die Suche nach noch so seltenen Arten wie dem Baumschläfer ist wichtig, denn jede einzelne Art trägt zur Biodiversität bei und macht unsere Natur widerstandfähiger für die Herausforderungen der Klimakrise“, erklärt Bundesforste-Vorstand Andreas Gruber. Baumschläfer sind eng an den Lebensraum Wald gebunden. Ihr Vorkommen gilt als Anzeiger für einen gesunden und artenreichen Mischwald, dennoch ist die Art nahezu unerforscht und selbst unter Waldkennern kaum bekannt. Man fand den rund neun Zentimeter kleinen Bilch mit maskenhaft dunkler Färbung um die Augen hierzulande schließlich doch in seinem bevorzugten Habitat: in naturnahen Mischwäldern.

Rund 60 Baumschläfer-Nachweise in Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol und Oberösterreich

Für den wissenschaftlichen Teil wurde im Jahr 2020 auf die etablierte Forschungsmethode von Nistkästen gesetzt. 600 Stück davon wurden auf 20 genau den Vorlieben der Baumschläfer entsprechenden Untersuchungsflächen in ganz Österreich platziert, doch sie blieben weitgehend ungenutzt. Auf zwei Untersuchungsflächen gelangen allerdings Baumschläfer-Nachweise: In Salzburg auf der Postalm (Gemeinde Strobl, Bezirk Salzburg Umgebung) und in der Steiermark in der Frauenhöhle (Gemeinde Kaindorf, Bezirk Hartberg-Fürstenfeld).

Bei der Suche nach dem Baumschläfer zusätzlich auf die Unterstützung aus der Bevölkerung zu setzen, verhalf dem Forschungsprojekt zu zahlreichen Nachweisen: Rund 250 Meldungen gingen unter anderem über die Baumschläferwebseite baumschlaefer.at ein. Viele der Sichtungen waren von hoher Qualität, so dass sich rund 60 davon eindeutig dem Baumschläfer zuordnen ließen. „Die zahlreichen Meldungen sind eine Sensation. Innerhalb weniger Jahre konnten so mehr Baumschläfer-Meldungen bestätigt und dokumentiert werden als in den vergangenen 100 Jahren zusammen“, zeigt sich Gruber erfreut. Vor allem die Wälder rund um die Nockberge und das Lavanttal in Kärnten taten sich als Baumschläfer Hotspot hervor: Rund 50 Prozent der verifizierten Meldungen stammten aus diesem Gebiet. Damit waren es allein in Kärnten 25 Sichtungs-Meldungen, in der Steiermark 15, in Salzburg acht, in Tirol sichtete man zwei, in Oberösterreich einen, in Wien, Niederösterreich, Burgenland und in Vorarlberg hingegen keinen Baumschläfer.

Die Gebiete, in denen besonders viele Baumschläfer gefunden wurden, zeichnen sich durch großflächige bodenfeuchte Bergwälder mit üppigem Unterwuchs an Sträuchern aus. Im Flachland sowie in hochalpinen Felsregionen dürfte der Baumschläfer in Österreich nicht vorkommen. Überraschend dabei war, dass Baumschläfer offensichtlich weniger menschenscheu sind als angenommen: Meldungen belegten Sichtungen in Holzhütten und Ferienhäusern in Waldnähe, auf waldseitigen Terrassen und teilweise sogar im Hausinneren.

KI-gestützter Natur-Lauschangriff

Um noch mehr über den Gefährdungsgrad des Baumschläfers zu erfahren, wird das Monitoring fortgesetzt. Mit einer gänzlich neuen Forschungsmethode leisten die Bundesforste Pionierarbeit. Sie starten den KI-gestützten Lauschangriff auf die Natur. Gesetzt wird auf eine völlig störungsfreie Methode: das Audiomonitoring.

Baumschläfer werden dabei anhand ihrer Rufe akustisch nachgewiesen. Zur Realisierung der neuen Herangehensweise entwickelten die ÖBf mit technischer Unterstützung der Firma capreolus ein Computermodell, welches mit Aufnahmen von Baumschläfer-Rufen trainiert wurde. Das Modell unterscheidet die Laute mit Hilfe von künstlicher Intelligenz klar von anderen Waldgeräuschen und erkennt die Rufe des Baumschläfers mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 98 Prozent. Die Aufzeichnung läuft über winzige, im Freien montierte Rekorder. So werden Baumschläfer klar registriert und dokumentiert – selbst in jenen Gebieten, in denen man sie noch nicht zu Gesicht bekommen konnte.

Neue Baumschläfer-Broschüre mit Tipps für Wald- und Gartenbesitzer

In der neuen ÖBf-Broschüre „Aktiv für Bilche“ finden interessierte Wald- und Gartenbesitzer*innen Infos und Tipps zum Erhalt wertvoller Lebensräume für Baumschläfer und Co. Zudem gestalteten die Bundesforste ein neues Kreativheft für jüngere Baumschläfer-Fans, die das Wissen um den Kleinsäuger mit Superheldenmaske kindgerecht und spielerisch aufbereitet.

Beide Publikationen sind ab sofort verfügbar, können unter www.bundesforste.at/publikationen bestellt werden und stehen ebendort zum Download bereit.

Kontakt

Österreichische Bundesforste
Andrea Kaltenegger
Unternehmenssprecherin
Tel. +43 (0) 2231-600-1521
E-Mail: andrea.kaltenegger@bundesforste.at
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Quelle

OTS Pressemeldung vom 6. 9.2023