Ökonomischer Wert

Der Einfluss des Menschen auf die biologische Vielfalt in Ökosystemen wird oft stark von komplexen ökonomischen Aspekten und Rahmenbedingungen gesteuert. Die direkte Nutzung von Ökosystemen oder deren indirekte Belastung können die biologische Vielfalt beeinträchtigen. Vielfach wird daher aus Gründen der Fairness der Versuch unternommen, diesen Einfluss monetär zu bewerten, um entsprechend dem Verursacherprinzip einen finanziellen Ausgleich dafür herstellen zu können. 

 

Die Bewertung der Biodiversität ist ein intensiv diskutiertes Thema, wobei die Meinungen mitunter auseinander gehen:

  • Einerseits gibt es verschiedene Ansätze, die Biodiversität monetär zu bewerten (siehe Text weiter unten),  
  • andererseits ist vor allem die Frage offen, ob allen Aspekten der biologischen Vielfalt überhaupt ein realistischer Geldwert gegenübergestellt werden kann (siehe "Messung und Bewertung der biologischen Vielfalt").  

Ansätze zur monetären Bewertung der Biodiversität

Es bestehen vielfältige Möglichkeiten für eine monetäre Bewertung von Umweltleistungen, diese lassen sich in zwei Gruppen teilen (Weck-Hannemann 1994):

  • Die individuelle Wertschätzung wird auf direkte Weise erfasst, vorwiegend mit Befragungen.
  • Indirekte Methoden setzten am tatsächlichen Verhalten an und nicht an hypothetischen Entscheidungssituationen. Aus beobachtbaren Vorgängen in der Wirtschaft und Politik wird die individuelle Wertschätzung öffentlicher Leistungen abgeleitet (z. B. Transportkosten).

 

Eine Methode zur monetären Bewertung der biologischen Vielfalt ist der kontingente Bewertungsansatz. Dieser Ansatz ist für einige Experten, der am ehesten geeignete Ansatz zur finanziellen Bewertung der Biodiversität. Im Rahmen besonders strukturierter Interviews sollen Befragte dazu bewegt werden, ihre wahre monetäre Wertschätzung der biologischen Vielfalt bekannt zugeben.

Tab.: Übersicht über verschiedene analytische Ansätze in der Ökonomik der biologischer Vielfalt (nach Göschl 1999, modifiziert).

Ebenen der Biodiversität

Ökonomisches Wertkonzept und zeitliche Perspektive

Grundidee

Anwendungs-
gebiet

Resultierende Größenordnung sozialer Wertschätzung

Genetische Vielfalt

Entdeckungswert (historisch)

Beitrag genetischer Ressourcen zur Entdeckung neuer Kulturpflanzen

Landwirtschaft, Forstwirtschaft

gering

 

Entdeckungswert (statisch)1)

Wert des "Bioprospecting" durch Firmen

Pharmazeutik

hoch

 

Quasi-Optionswert (Dienstleistungswert, dynamisch)2)

Informationswert von Selektionsprozessen, wenn Resistenz evolviert3)

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Pharmazeutik

hoch

Taxonomische Vielfalt

Existenzwert (Bruttogegenwartswert)

"Diversität" als solche skalar quantifizierbar

generell

unbestimmt, wenn Zielfunktion nicht ermittelt

 

Existenzwert

Zahlungsbereitschaft für die Arterhaltung

generell

umstritten

Ökosystematische Vielfalt

Versicherungswert, Dienstleistungswert

Funktioneller Wert der Diversität im Rahmen der Stressresistenz von Ökosystemen (Resilienz)

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Landschafts-schutz

hoch (vermutet)

1) Was bringt uns die Biodiversität jetzt?
2) Arten werden bewertet nach ihrem Effekt als Investitionen in die Entwicklung weiterer Biodiversität.
3) entwickeln, entfalten; entfaltend, entwickelnd darstellen

Probleme bei der Bewertung

Bei allen Methoden zur monetären Bewertung der biologischen Vielfalt, auch beim kontigenten Bewertungsansatz (siehe oben), ergeben sich derzeit noch Probleme, insbesondere methodischer Natur. Darüber hinaus ist es fraglich, ob diese Probleme je in einem befriedigendem Ausmaß ausgeräumt werden können. Aus diesem Grund sind die Ergebnisse solcher Untersuchungen vorsichtig und mit entsprechenden Vorbehalten zu interpretieren. Eine Nutzen-Kosten-Analyse (z. B. der Biodiversität) kann dazu missbraucht werden, dass die vorherrschende, an spezifischen Interessen ausgerichtete Politik lediglich "verwissenschaftlicht" wird.