Das Wesen der Nachhaltigkeit

Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung hat sich seit der Weltumweltkonferenz der UNCED 1992 in Rio de Janeiro/Brasilien als zukunftsweisende, programmatische Leitidee der globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik etabliert. Ihr oberstes Leitbild ist die dauerhafte Erhaltung der Lebensgrundlagen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen.

 

Eine Entwicklung kann demnach als nachhaltig bezeichnet werden, wenn sie den Lebensbedürfnissen gegenwärtiger Generationen gerecht wird, ohne die Möglichkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können (Brundtland 1988).

Nachhaltigkeit ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Natur, Wirtschaft und Gesellschaft als voneinander abhängige Sphären eines vernetzten Gesamtsystems begreift, wobei die Belastbarkeit und Tragfähigkeit der Biosphäre die Grenzen für Wachstum und Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Teilsysteme vorgibt.

 

In diesem Sinne zielt nachhaltige Entwicklung auf die dauerhafte Optimierung des Zusammenwirkens von Mensch und Umwelt, wobei der menschliche Gestaltungsspielraum von den ökologischen Grenzen einerseits und den gesellschaftlichen Wertvorstellungen andererseits begrenzt wird.

Dimensionen der Nachhaltigkeit

In der Forstwirtschaft liegt der Ursprung des Prinzips der Nachhaltigkeit, als Reaktion auf die fortschreitende Waldzerstörung des ausgehenden Mittelalters. Als Maßnahme wurde gefordert, dass die Holzentnahme den Holzzuwachs nicht übersteigen dürfe. Denn nur wenn der Wald als "Naturkapital-Bestand" erhalten bleibt, können gleichsam die "Zinsen" in Form des laufenden Zuwachses abgeschöpft und der Ertrag dauerhaft aufrechterhalten werden.

 

Heute wird der Begriff der Nachhaltigkeit jedoch weit umfassender als nur im Sinne des dauerhaften Ertrags verstanden. Entsprechend dem ganzheitlichen Ansatz spricht man von einer ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Nachhaltigkeit. Ökologisches Gleichgewicht und ökologische Tragfähigkeit, ökonomische Stabilität und Wohlstand sowie soziale Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Generationen und hohe Lebensqualität für alle stehen somit als wechselseitig verknüpfte Ziele nebeneinander.

Schutz und Nutzung

Nachhaltigkeit ist ein Konzept, das Schutz und Nutzung vereint. Dies bedeutet, dass sich die Nutzung der natürlichen Ressourcen, einschließlich der Wildtierpopulationen, an der Stabilität, Regenerationsfähigkeit, biologischen Vielfalt und dauerhaften Produktivität der Ökosysteme und Lebensräume orientieren und sich entsprechenden Beschränkungen unterwerfen muss. Nur unter dieser Voraussetzung können die natürlichen Systeme die menschliche Gesellschaft dauerhaft mit den geforderten Gütern, Produkten und Leistungen versorgen.

 

Langfristes Denken muss vor kurzfristiger Maximierung von Gewinn und Konsum gehen. Menschliche Eingriffe in die Umwelt müssen sich an den natürlichen Zeitmaßstäben von Ökosystemen orientieren, z. B. an deren Regenerationsdauer. Dabei sollten stets Verzögerungseffekte zwischen dem Einsetzen von Belastungen und dem Sichtbarwerden erster Reaktionen der Umwelt bedacht werden.

 

Mit dem Beschluss der "Österreichischen Strategie zur Nachhaltigen Entwicklung" im April 2002 hat sich auch Österreich zum Prinzip einer umfassenden Nachhaltigkeit verpflichtet, d. h. einer dauerhaft ökologisch tragfähigen, ökonomisch lebensfähigen und sozial verträglichen Entwicklung.