Glossar

   B     E     F     G     H        K     L     M     O         S     U     W     Z

A

aktuelle Vegetation
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich an einem Pflanzenstandort bestehende Vegetation (im Gegensatz zur potentiellen natürlichen Vegetation).

anthropogen
durch menschlichen Einfluss bedingt.

Aufzucht
Fürsorge für das Jungwild durch die Elterntiere. Auf die Zeit der unmittelbaren Aufzucht (Säugen, Füttern) folgt besonders beim Schalenwild noch eine längere Zeit, in der die ernährungsmäßig bereits selbstständigen Jungtiere zu ihrer völligen körperlichen und sozialen Entwicklung die Führung der Mutter benötigen, ohne die sie kümmern würden.

autochthon
ursprünglich, heimisch; Tier- und Pflanzenarten, die in einem Gebiet als "Ureinwohner" beheimatet sind, im Gegensatz zu später eingewanderten oder eingeführten Arten.

B

Biologische Vielfalt
umfasst die Vielfalt auf allen Ebenen der biologischen Organisation - Vielfalt der Gene, Populationen, Arten, Lebensgemeinschaften, Ökosysteme und Landschaften - hinsichtlich Zusammensetzung, Struktur und Funktion.

Biosphäre
Gesamtheit der belebten Umwelt.

Biotoptragfähigkeit
Höchstzahl der Individuen einer Population bzw. Lebensgemeinschaft, die in einem bestimmten Lebensraum zu leben vermag. Ergibt sich aus dem verfügbaren Angebot an Nahrung und notwendigen Lebensraumstrukturen, z.B. Deckung, Tränken, Suhlen, Schlafplätzen etc. Die Biotoptragfähigkeit (oder Biotoptragkapazität) ist eine dynamische Größe, die sich im Zeitverlauf ändern kann. Verändert sich die Biotoptragfähigkeit im Jahresablauf, so spricht man von "saisonaler Biotoptragfähigkeit".

E

Einstand
Bevorzugter Aufenthaltsort von Wild mit Deckung bietenden Lebensraumsstrukturen, besonders von Schalenwild, wo es sich geborgen fühlt; gute Einstände sind Wald im allgemeinen, Dickungen, dichte und ausreichend große Feldgehölzgruppen sowie hochstehende landwirtschaftliche Kulturen wie Getreide, Mais etc. im offenen Kulturland. Art, Dichte und Verteilung von Einständen sind bestimmende Faktoren für die Biotoptragfähigkeit.

Ethik
Lehre von den Normen und Richtlinien der Lebensführung, die sich aus der Verantwortung gegenüber anderen herleiten. Jagdethik im speziellen: Jagdliches Handeln, das sich seiner Verantwortung gegenüber der Kreatur Tier und der Natur im allgemeinen bewusst ist.

F

Fallwild
Im Gegensatz zum erlegten Tier alles aus sonstiger Ursache tot aufgefundene ("gefallene") Wild. Nach der Todesursache kann weiter natürlich verendetes Fallwild und durch direkte menschliche Einwirkung zu Tode gekommenes Fallwild unterschieden werden. Durch Verkehrseinfluss getötetes Wild wird als "Straßen-Fallwild" bezeichnet. Da innerhalb der Schusszeit gefallenes Fallwild in die vorgegebenen Abschussquoten eingerechnet wird, führt eine hohe Verkehrsbedingte Fallwildzahl zu einer entsprechenden Verringerung der getätigten Abschüsse und kann dadurch beträchtliche materielle jagdwirtschaftliche Ertragsverluste bewirken.

faunenfremd
nicht zum ursprünglichen heimischen Artenbestand eines Lebensraumes zählende Tierart, die entweder vorsätzlich angesiedelt oder unabsichtlich eingeschleppt wurde. Einbringung faunenfremder Arten führt zu so genannter Faunenverfälschung, d.h. zur Veränderung der natürlichen Artenzusammensetzung. Als faunenfremd werden meistens alle Tierarten angesehen, die nach der letzten Eiszeit nicht in dem Gebiet vorkamen und deren Entstehungs- und Entwicklungsgebiete räumlich derart getrennt sind, dass eine natürliche Besiedlung des betreffenden Areals aus eigener Kraft nicht möglich wäre. Beispiele sind Waschbär, Mufflon, Dam- und Sikawild.

faunistisch
auf die Tierwelt (Fauna) bezogen; zoologisch.

Fegen
Bei Geweihtragendem Wild (Hirsch, Rehbock) das Reiben mit dem fertig ausgebildeten Geweih an Stämmen und Zweigen, wobei der Bast vom Geweih entfernt wird. Davon kann das Schlagen unterschieden werden, das mit dem bereits fertig verfegten, vom Bast befreiten Geweih erfolgt. Dabei kann Schaden an Forstpflanzen entstehen (Fegeschaden).

floristisch
auf die Vegetation (Flora) bezogen; botanisch.

Fluchtdistanz
Abstand, bei dessen Unterschreiten durch einen (potenziellen) Feind oder Gegner ein Tier die Flucht ergreift. Sie ist keine konstante Größe, sondern hängt von der jeweiligen Art, dem jeweiligen Individuum, den äußeren Bedingungen (Jagddruck, Deckungsangebot, Witterung, Nähe der Artgenossen etc.), der momentanen Fluchtbereitschaft sowie möglichen früheren Erfahrungen ab.

Fragmentierung
Zerstückelung und Zerschneidung von Lebensräumen durch vorwiegend lineare Infrastrukturanlagen, wie Straßen und Bahnlinien, aber auch durch Siedlungsflächen, Betriebsgebiete etc. Führt zu ökologischen Trenn- und Barrierewirkungen, Isolation und Verinselung von Wildlebensräumen. Besonders schwerwiegende Folgen sind die Unterbrechung von Wander- und Ausbreitungskorridoren und (Fern)Wechseln, die Verhinderung der Migration von Tieren, die damit verbundene Verringerung der so genannten wildökologischen Durchgängigkeit von Aktionsräumen und die Unterbrechung des Genflusses zwischen Wildpopulationen.

Funktionen des Waldes
Im Österreichischen Forstgesetz 1975 idgF. angeführte Wirkungen oder Funktionen des Waldes sind: die Nutzwirkung (Holzproduktion), die Schutzwirkung (Schutz des menschlichen Siedlungs- und Wirtschaftsraumes vor Naturgefahren und Schutz des Standortes vor Erosion), die Wohlfahrtswirkung (Klimaausgleich, Wasserhaushaltsregulation, Lärmminderung) und die Erholungswirkung (Wald als Erholungsraum für Waldbesucher). Diesen forstgesetzlich verankerten Wirkungen könnte man die Lebensraumfunktion (Wald als Lebensraum für Tiere und Pflanzen) hinzufügen, die allerdings keine forstrechtliche Relevanz besitzt.

G

Gatter
Wild-Gatter sind vollständig eingefriedete Grundflächen, auf denen Tiere wildlebender Art gehalten werden. In Jagd-Gattern gehaltene Wildbestände werden jagdlich genutzt.

Gemeinschaft
Gesamtheit der innerhalb eines Lebensraumes lebenden Tiere und Pflanzen, bestehend aus Populationen verschiedener Arten (Gesellschaft, Biozönose).

genetische Variabilität
Vielfalt der genetischen Merkmale innerhalb einer Population oder Art.

genetische Verfälschung
Veränderung der charakteristischen genetischen Merkmale von Populationen eines Areals durch die Einbringung von Individuen mit abweichender genetischer Ausstattung, die aus einem anderen Areal stammen und deren genetische Ausstattung an dessen spezifische ökologische Bedingungen angepasst ist.

Genossenschaftsjagd
Grundstücke, deren Fläche unter der für eine Eigenjagd in Österreich erforderlichen Flächengröße von 115 Hektar liegen, können zum Zwecke der jagdlichen Bewirtschaftung zu einer Genossenschaftsjagd zusammengefasst werden. Die jagdliche Nutzung erfolgt in der Regel durch Jagdgesellschaften.

Grünbrache
Ackerbrache (Stilllegungsfläche) mit Vegetationsbedeckung; im Gegensatz zu einer Schwarzbrache.

Grünbrücke
Technische Wildquerungshilfe; Brücke über eine Verkehrsfläche, die errichtet wird, um Wildtieren das Queren des Verkehrsbandes zu ermöglichen; auch als Biobrücke, Ökobrücke oder Landschaftsbrücke bezeichnet. Die Bezeichnung Grünbrücke wird meist für Querungseinrichtungen verwendet, die ausschließlich tierökologischen Zwecken dienen, d.h. ohne die Mitführung von Wirtschaftswegen oder Nebenstraßen, sowie die eine gewisse, nicht exakt definierte Mindestbreitendimensionierung aufweisen.

H

Habitat
Lebensstätte eines Lebewesens.

Hege
Sammelbegriff für die jagdpflegerischen Maßnahmen gesetzlicher, administrativer und privater Art. Ziel der Hege ist die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie der Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen. Zur Hege gesetzlich verpflichtet ist in erster Linie der Jagdausübungsberechtigte.

In der Jagdpraxis können Hegemaßnahmen im engeren Sinne v.a. umfassen: die Art der Bejagung, die Gestaltung des Wildlebensraumes, z.B. durch Äsungsverbesserung, Sicherung ungestörter Einstände und erforderlichenfalls Fütterung, sowie die Abwehr von Gefahren für das Wild im Rahmen des Jagdschutzes, wie durch Vorbeugung von Krankheiten oder Verhindern des Ausmähens von Jungwild.

Hegegemeinschaft
Zusammenschluss aneinandergrenzender Jagdgebiete bzw. Jagdausübungsberechtigter zum Zwecke optimaler Jagdbewirtschaftung.

I

interdisziplinär
fachgebietsübergreifend

J

Jagdausübungsberechtigter
Als Jagdausübungsberechtigter wird im vorliegenden Zusammenhang der Jagdausübende Eigentümer einer Eigenjagd oder der/die Pächter einer Eigen- oder Genossenschaftsjagd bezeichnet."jagdbares" Wild Unter jagdbarem Wild werden die von den Jagdgesetzen erfassten und dort taxativ angeführten Wildarten verstanden.

Jagdberechtigter
Das Jagdrecht fließt nach den österreichischen Jagdgesetzen aus dem Grundeigentum. Jagdberechtigter ist daher der Grundeigentümer, unabhängig davon, ob eine Verpachtung des Jagdgebietes erfolgt oder nicht.

Jagdgebiet
Kleinste jagdrechtliche territoriale Einheit der räumlichen jagdwirtschaftlichen Organisation. Ein Eigenjagdgebiet muss über mindestens 115 ha jagdlich nutzbare Grundfläche verfügen, ebenso sind in den Jagdgesetzen Mindestgrößen für Gemeindejagdgebiete vorgeschrieben. Die Abgrenzung von Jagdgebieten wird von den Bezirkshauptmannschaften mittels Bescheid festgestellt.

Jagdgesetze
Die Jagd fällt in Österreich in die Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer. Dementsprechend existieren 9 verschiedene Landes-Jagdgesetze.

Jagdkonzept
Die Existenz eines Jagdkonzeptes ist jagdrechtlich nicht vorgeschrieben, sollte zum Zwecke einer ordnungsgemäßen Jagdbewirtschaftung jedoch auf Jagdgebietsebene vorliegen. Es sollte Ziele und Maßnahmen der jagdlichen Bewirtschaftung beinhalten und Idealerweise in schriftlicher Form vorliegen.

In vielen Fällen wird ein schriftlich nicht explizites, mehr oder weniger konkretes Jagdkonzept einfach im Kopf vorhanden sein. Ein schriftliches Jagdkonzept bildet eine grundlegende Anforderung zur Definition und Fixierung von Zielen und Maßnahmen einer nachhaltigen Jagdausübung sowie zur Dokumentation von Vereinbarungen und Abstimmungsmaßnahmen mit anderen Landnutzern.

jagdliche Ethik
Weidgerechtigkeit; Verhaltensregeln für eine verantwortungsvolle Ausübung der Jagd, deren Richtschnur die Achtung gegenüber Tier und Natur ist, insbesondere die Vermeidung der Verursachung unnötiger Qualen der Tiere. Diese moralischen Verhaltensregeln können in Form von Gesetzen (Jagdgesetz, Tierschutzgesetz etc.) vorliegen oder auch in einem ungeschriebenen Ehrenkodex bestehen.

Jagdrevier
siehe Jagdgebiet.

K

Kondition
Physische Verfassung des Wildes; kann anhand körperlicher Merkmale wie Körpergewicht, Körpergröße etc. festgestellt werden.

Kontrollzaun
Wilddicht eingezäunte Fläche zur vergleichenden Beobachtung der Vegetationsentwicklung ohne Wildeinfluss.

Korridor
Traditionelle, regelmäßig frequentierte überregionale Wildwechsel; Hauptwechsel; Wild-Wanderrouten; Migrationsachsen.

Krucken
Die aus Horn bestehende, hohle, schwarze, sich nach oben spitz verjüngende und nach rückwärts gekrümmte Stirnwaffe des Gamswildes, wird von beiden Geschlechtern getragen.

Kulturlandschaft
Durch menschliche Nutzung und Bewirtschaftung veränderte Landschaft, im Gegensatz zur ursprünglichen Naturlandschaft (z.B. Urwald).

L

Landeskultur
Zustand der Kulturlandschaft, der für die Funktion der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Erzeugung, für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser, Luft, Vegetation und Tierwelt sowie für die Erholungsfunktion der Landschaft am besten geeignet ist. Umfasst damit den Schutz der heimischen Tierarten und der Natur ebenso wie die Gewährleistung der Nutzungsrechte auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Auch Bejagung und Hege sind landeskulturellen Zielen verpflichtet.

landeskulturell
Auf die Landeskultur bezogen.

Lebensraumkapazität
siehe Biotoptragfähigkeit.

Lebensraumverbesserung
Verbesserung der Lebensbedingungen von Wildtieren durch die gezielte Gestaltung des Lebensraumes, z.B. durch Schaffung von Deckungsstrukturen und Einständen mittels Gehölzauspflanzungen, Anlage von Äsungsflächen, Biotopvernetzung, Schaffung von Querungsmöglichkeiten über Verkehrswege (Grünbrücke), Anlage von Grünbrachen etc.; wildökologische Ertüchtigung von Lebensräumen durch biotophegerische Maßnahmen. Auch Maßnahmen von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus, Raumordnung etc. können wesentlich zur Lebensraumverbesserung beitragen.

Lebensraumzerschneidung
Ökologische Barrierewirkung von linearen Infrastrukturanlagen, insbesondere Verkehrswegen, die zu Isolation von Teillebensräumen, Unterbrechung der genetischen Kommunikation von (Teil)Populationen, Verkleinerung von Arealen, Aktions- und Anspruchsräumen, Beeinträchtigung des Raumnutzungsverhaltens insbesondere von mobilen Tierarten mit hohen Raumansprüchen, Unterbrechung von Wanderkorridoren und Wechseln und insgesamt zur Verringerung der tierökologischen Durchgängigkeit von Lebensräumen führt; siehe auch unter "Fragmentierung".

Die Trennwirkung von Verkehrsanlagen kann dabei aus anlagebedingten Wirkungen (physischer Barriereeffekt des Bauwerks), Betriebsbedingten Wirkungen (Tierverluste durch Kollisionen, Störwirkung durch Lärm, Bewegungsreize und Lichteffekte, Emissionen) und Baubedingten Wirkungen (Flächenbeanspruchung, Verlärmung) bestehen.

Zerschneidung gilt als eine der Hauptursachen für die zunehmenden Artenverluste der heimischen Fauna.

M

monetär
finanziell, Geldbezogen.

Monitoringsysteme
Einrichtungen zur Beobachtung der Entwicklung von Umweltzuständen.

Mortalität
Sterblichkeit, Populations-Abgang durch Tod.

N

Nahrungskapazität
In einem Lebensraum verfügbares Nahrungsangebot; bestimmt die Größe der Tierpopulationen, die erhalten werden können; ist eine wesentliche Teilkomponente der Biotoptragfähigkeit bzw. der Lebensraumkapazität. Die Nahrungskapazität ist im Jahresverlauf Änderungen unterworfen. Limitierend ist jeweils der Minimumfaktor (die knappste Ressource).

Natürliche Ressourcen
Natürliche Rohstoffe, die als Input für das Wirtschaftssystem dienen und von der Natur bzw. Umwelt bereitgestellt werden; natürliche Produktionsmittel für die Wirtschaft. Umfassen erneuerbare (regenerierbare) bzw. nachwachsende Naturgüter wie Wasser und Biomasse (Pflanzen, Tiere) und nicht erneuerbare (erschöpfend) Naturgüter wie mineralische (geogene) und fossile Bodenschätze (Erdöl, Erdgas) sowie Boden (Fläche). Wildtiere werden auch als frei lebende natürliche Ressourcen bezeichnet.

Naturkapital
Der gesamte Bestand an Naturgütern, der für die Existenz der menschlichen Gesellschaft und das Wirtschaftssystem erforderlich ist; Natur und Umwelt als Lebens- und Produktionsgrundlage. Umfasst beispielsweise saubere Luft, reines Wasser, gesunde Wälder, Boden etc.

Das Naturkapital bildet in den Wirtschaftswissenschaften neben finanziellen, menschlichem und Menschen gemachtem Kapital eine der vier Kapitalarten. Wurde von den Wirtschaftswissenschaften lange vernachlässigt, da die grundlegende Tatsache der Knappheit und Begrenztheit des Naturkapitals erst vor relativ kurzer Zeit erkannt wurde.

Niederwild
Historisch überlieferter Begriff für kleinere, ökonomisch weniger wertvolle Wildarten, deren Erlegung nicht allein den Landesfürsten vorbehalten, sondern, zum Tei. dem niederen Adel, den Geistlichen und Bürgern erlaubt war. Zum Niederwild werden üblicherweise kleinere Wildarten wie Reh, Feldhase, Kaninchen, Wiesel, Marder sowie Federwild wie Fasan, Rebhuhn, Wachtel etc. gezählt.

O

ökologische Tragfähigkeit
In der Populationsökologie die Höchstzahl der Individuen einer Population, die in einem bestimmten Lebensraum zu leben vermag (Biotoptragfähigkeit). Umgelegt auf die menschliche Zivilisation wird damit die Eigenschaft der globalen Ökosphäre bzw. eines bestimmten (Wirtschafts)Raumes bezeichnet, eine bestimmte menschliche Bevölkerungsanzahl bei einem gegebenen Niveau der Nutzungsintensität, der Umweltbelastung und des Ressourcenverbrauchs nachhaltig, d.h. unter ökologisch, ökonomisch und sozial verträglichen Bedingungen, erhalten zu können.

Die Beachtung der Grenzen der ökologischen Tragfähigkeit der Ökosysteme ist einer der wichtigsten Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung.

Ökosystem
Eine aus biotischen und abiotischen Komponenten bestehende Funktionseinheit der hochkomplexen realen Umwelt, die ein Modell eines funktionell zusammengehörigen Landschaftsausschnitts bildet.

Ein Ökosystem umfasst somit die Lebensgemeinschaft aller Organismen eines gegebenen Raumausschnitts, dessen unbelebte Umwelt (Biotop: Gesteine, Boden, Klima, Wasser) sowie die Gesamtheit der zwischen ihnen herrschenden Wechselbeziehungen und Prozesse. Grundlegende Eigenschaften von Ökosystemen sind Energieflüsse und Stoffkreisläufe.

ÖPUL-Programm
"Österreichisches Programm für eine Umweltgerechte Landwirtschaft": Förderprogramm für Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft und Forstwirtschaft, in dessen Rahmen beispielsweise Agrarumweltmaßnahmen wie die Neuanlage von Landschaftselementen, Gehölzauspflanzungen, Flächenstilllegungen, die Erhaltung und Pflege von Grünlandflächen, die Erhaltung kleinteiliger Flächenstrukturen und Extensivierungsmaßnahmen gefördert werden, die im Sinne einer Lebensraumvernetzung und Habitataufwertung für Wildtiere genutzt werden können.

P

Population
Gesamtheit der Individuen einer Art, die sich untereinander in einem bestimmten Gebiet fortpflanzen, d. h. eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden.

potentielle natürliche Vegetation
Gedanklich vorzustellende höchstentwickelte Vegetation, die sich an einem Standort nach Beendigung aller menschlichen Einflüsse unter den gegenwärtig herrschenden Standortsbedingungen, alle seither stattgefundenen anthropogenen Standortsveränderungen eingeschlossen, einstellen würde.

Im Gegensatz zu der rekonstruierten ursprünglichen (historischen) Vegetation vor Beginn aller menschlichen Einflüsse geht die potentielle natürliche Vegetation somit vom heutigen Standortspotential aus.

"potentielles natürliches Wildarteninventar"
Jener Bestand an heimischen Wildarten, der unter den heute herrschenden Lebensraumbedingungen und den gegebenen, von der Jagd nicht veränderbaren wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Einflüssen in einem bestimmten Wildlebensraum möglich ist.

Dies inkludiert auch jene aktuell nicht vorkommenden Wildarten, die unter den gegenwärtigen Bedingungen geeignetes Lebensraumpotential vorfinden und wieder angesiedelt werden können. Im Gegensatz zum ursprünglichen (teils hypothetischen, weil nicht immer zweifelsfrei rekonstruierbaren) Wildarteninventar der Naturlandschaft bezieht sich das potentielle natürliche Wildarteninventar auf das heutige Lebensraumpotential, alle seither in der Kulturlandschaft stattgefundenen irreversiblen anthropogenen Veränderungen eingeschlossen.

R

Raubwild
Im weiteren Sinne alle dem Jagdrecht unterliegenden Beutegreifer (Predatoren, Carnivore), die beim Nahrungserwerb auf das Schlagen von Beutetieren angewiesen sind. Im engeren Sinne wird zwischen "Haar-Raubwild" und "Feder-Raubwild" (Greifvögel und Kolkrabe) unterschieden.

Zum heimischen Raubwild gehören u.a. Fuchs, Baum- und Stein-Marder, Dachs, Iltis, Maus- und Großwiesel, Wildkatze und Luchs. Ehemals weiter verbreitete autochthone Groß-Raubwildarten sind Bär und Wolf, die im Zuge von Wiederansiedlungs- und Artenschutzprogrammen (Bär) oder als Irrgäste (Wolf) selten auftreten können.

Marderhund und Waschbär sind Beispiele für eingeschleppte bzw. eingebürgerte Raubwildarten.

Rauhfußhühner
Gruppe der Hühnervögel mit befiederten Läufen. Die Hähne sind oft prächtig gefärbt, Hennen meist tarnfarbig. Heimische Arten sind Auerwild, Birkwild, Haselwild und Alpenschneehuhn.

Reproduktion
Fortpflanzung.

Ressourcen
Rohstoffe, natürliche Produktionsmittel für das Wirtschaftssystem; im weiteren Sinne: Hilfsmittel.

Rote-Liste-Arten
Rote Listen werden als ? Barometer der Biodiversität" bezeichnet. Rote Listen bieten einen umfassenden Überblick über den Gefährdungsstatus von Arten in einer bestimmten Region. Rote Listen sind eines der am besten etablierten Naturschutzinstrumente. Ihre Geschichte reicht bis in die 1960er-Jahre zurück.

S

Saisonale Teillebensräume
Räumliche Teile von Tierlebensräumen, die in erster Linie in bestimmten Jahreszeiten genutzt werden, z.B. zum Zwecke der Fortpflanzung oder der Überwinterung.

Schäle
Kurzform für Schälschäden. Diese entstehen durch Abbeißen oder Abnagen der noch nicht stark verborkten Rinde von wirtschaftlich wertvollen Waldbaumarten und werden in erster Linie von Schalenwild verursacht. Ursachen können Äsungsmangel sowie Störung des natürlichen Äsungsrhythmus durch Beunruhigung sein.

Durch Winterschäle entstehen (meist) kleinere Wunden am Stamm durch Benagen, durch Sommerschäle werden meist flächige Schäden durch das Abbeißen von Rinde und Bast verursacht, bei der Wurzelschäle werden die Wurzelanläufe der Bäume benagt. Baumschäden infolge von Schäle können zu Pilzbefall in den offenen Wunden am Holz, zu erheblichen Entwertungen des unteren Baumabschnittes und in weiterer Folge zum Absterben des betroffenen Baumes bzw. zu erhöhter Anfälligkeit gegenüber Wind- und Schneebruch führen. Vom Schalenwild werden bestimmte Baumarten bevorzugt, v.a. Fichte, Kiefer, Buche und Edellaubhölzer.

Vorbeugende Maßnahmen sind das Einhalten einer an das Äsungsangebot angepassten Wilddichte, qualitative und quantitative Äsungsverbesserung, geringe Beunruhigung zur Aufrechterhaltung des natürlichen Äsungsrhythmus und artgemäße Fütterung in Notzeiten. Schälschäden können auch durch Waldweide verursacht werden.

Schälen
Abbeißen oder Abnagen von noch nicht zu stark verborkter Baumrinde als Teil der Nahrungsaufnahme von Wiederkäuern, Hasenartigen und Nagetieren. Wirtschaftlich und ökologisch bedeutende Schäden durch Schäle entstehen v.a. durch Schalenwildarten.

Schalenwild
Die dem Jagdrecht unterliegenden wildlebenden Paarhufer. Dazu zählen die Familie der Hirschartigen (Cerviden) mit den heimischen Vertretern Rotwild und Rehwild sowie den nicht heimischen Vertretern Damwild und Sikawild, die Familie der Rinderartigen (Boviden) mit den Vertretern Gamswild, Muffelwild und Steinwild, sowie das Schwarzwild (Wildschwein). Das Schwarzwild ist der einzige Nicht-Wiederkäuer unter den Schalenwildarten. Als "Schale" werden die Klauen (Hufe) der Paarhufer bezeichnet.

Schlagen
hier: Bearbeiten von Stämmen und Zweigen durch schlagenden Bewegungen mit dem fertig verfegten Geweih durch Geweihtragendes Wild (Rotwild, Rehbock). Dient meist dem optischen und/oder geruchlichen Markieren des Reviers, kann aber auch Teil des Imponierverhaltens sein. "Schlagen" wird örtlich häufig gleichbedeutend zu Fegen verwendet.

Schutzfunktion
siehe Schutzwirkung.

Schutzwirkung
Eine der vier forstgesetzlich verankerten Wirkungen des Waldes. Bezeichnet insbesondere den Schutz von Siedlungen, menschlichen Infrastruktureinrichtungen und Kulturland vor elementaren Naturgefahren und schädigenden Umwelteinflüssen (Objektschutzwald), wie Lawinen, Muren, Hangrutschungen, Überschwemmungen etc., und den Schutz des Waldstandortes sowie die Erhaltung der Bodenkraft gegen Bodenabschwemmung und -verwehung, Geröllbildung, Hangrutschung etc. (Standortsschutzwald).

Schwerpunktbejagungen
Bejagungsstrategie mit räumlich konzentrierter Bejagung.

Sechser
Hirsch oder Rehbock mit sechs Enden am Geweih (Sechsender). Bildet beim Rehbock die Endform der arttypischen Geweihentwicklung; darüber hinaus gehende Endenzahlen beruhen auf untypischen Endenteilungen, irregulären zusätzlichen Enden oder ausgesprochenen Abnormitäten. Wird beim Rothirsch in der Regel in der Jugendform erreicht.

Setzen
Gebären bei den meisten Haarwildarten, mit Ausnahme des Raubwildes und des Schwarzwildes, wo man von "Werfen" bzw. "Frischen" spricht.

sozio-kulturell
Auf die Gesellschaft und die Kultur bezogen. Umfasst z.B. Merkmale von Sprache, Religion, Tradition, sozialer Struktur, Werte, Landnutzungspraktiken, Jagdtechniken u. dgl. mehr.

Synergien
Zusammenwirken von Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.

T

Textur
Räumliche Anordnung und Verteilung.

Tretzeitpunkt
Zeitpunkt der Begattung ("Treten") beim Federwild.

trophäenästhetisch
An bestimmten Trophäenformen der Erinnerungs- und Sammelstücke von erlegtem Wild orientiert. Beliebte Trophäen sind Geweihe, Gehörne, Präparate, Bälge, Bärte, Federn und Zähne. Geweihe und Gehörne dienen oft als Kriterium für die Einteilung der Wildklassen in der Abschussplanung.

U

UNCED
United Nations Conference on Environment and Development (Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung). Im Rahmen des Weltumweltgipfeltreffens dieser Organisation der Vereinten Nationen wurden wichtige Dokumente zur nachhaltigen Entwicklung verabschiedet, u.a. die so genannte Rio-Deklaration, die AGENDA 21 und das Abkommen über die biologische Vielfalt.

V

Verbiss
Durch Abbeißen von Pflanzenteilen, Knospen und Trieben durch Wild entstehende Fraßspuren an Pflanzen, die an wirtschaftlich bedeutenden Waldbaumarten zu Verbissschäden führen. Starker oder wiederholter Verbiss führt zum Absterben von jungen Gehölzpflanzen, zu Wachstumsbeeinträchtigungen, Zuwachsverlusten oder Formmängeln.

Starke Verbissschäden können die Verjüngung des Waldes nachhaltig beeinträchtigen. Durch die Selektivität des Verbisses v.a. von Schalenwild, d.h. die Bevorzugung von bestimmten Baumarten wie Tanne und Laubhölzern, kann es zu Baumartenentmischung kommen. Verbiss kann auch durch Weidevieh verursacht werden.

W

Weiserarten
Bestimmte Wildtierarten, welche die Funktion eines Anzeigers für den Zustand eines Biotops übernehmen können, weil sie für bestimmte Standorte charakteristisch sind oder besonders sensibel und rasch auf Veränderungen der Umwelt reagieren.

Weiserpflanzen
Pflanzenarten mit Zeiger- bzw. Indikatorfunktion. Bevorzugte Äsungspflanzen, deren jeweiliger Entwicklungszustand und Verbissgrad wichtige Hinweise auf die Höhe und Tragbarkeit von Schalenwildbeständen, besonders von Reh- und Rotwild, gibt.

Wildackerstreifen
Landwirtschaftlich bestellte Fläche, die dem Wild als Äsungsfläche dient.

Wilddurchlässe
Technische Wildquerungseinrichtungen in Form von Unterführungen unter Verkehrswegen. Ausschließlich für Wildtiere errichtete Durchlässe werden vom Wild erfahrungsgemäß besser angenommen als solche Durchlässe, bei denen Wege oder Straßen mitgeführt werden. Durch Aufweitung und wildgerechte Gestaltung können Durchführungen bzw. Überbrückungen von Wasserläufen als Wilddurchlässe adaptiert werden.

Grundsätzlich sind Wildbrücken (Überführungen) bzw. breite Grünbrücken besser geeignet als Wilddurchlässe (Unterführungen).

wildökologische Lebensraumtypen
Typen von großräumigen Wildlebensräumen mit jeweils ähnlichen natur- und kulturräumlichen ökologischen Lebensraumbedingungen.

Das vorliegende Bewertungsset wurde so konzipiert, dass die folgenden österreichischen wildökologischen Lebensraumtypen abgedeckt werden: 1) Aulandschaft, 2)Agrar-, Industrie- und Siedlungsgeprägte Landschaften der Ebene, 3) Land- und forstwirtschaftlich geprägtes Hügelland und Voralpen, 3) vorwiegend forstwirtschaftlich geprägte Bergregionen, 4) Hochgebirge.

Wildökologische Raumplanung
Die Wildökologische Raumplanung ist eine großräumige, integrative, revier- und Wirtschaftssektorübergreifende Planung zur Verbesserung der Planbarkeit und Lenkung von Wildbeständen.

Das Ziel ist die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen den berechtigten Nutzungsansprüchen der Gesellschaft, der Leistungsfähigkeit des Ökosystems Wald und den Lebensraumansprüchen der Wildtiere. Dabei werden die Lebensräume von Wildpopulationen ausgewiesen und innerhalb der Wildräume Wildbehandlungszonen (z.B. Kern-, Rand-, Freizonen) ausgeschieden.

Kernzonen dienen der langfristigen Biotopsicherung und der Arterhaltung bei landeskulturell tragbaren Wildschäden. In Randzonen wird die betreffende Wildart nur vorübergehend (nur in einzelnen Jahreszeiten) bzw. nur in geringer Dichte toleriert; Randzonen können aber auch der Biotopvernetzung bei nur mehr kleinräumig vorkommenden Tierarten dienen. In den hinsichtlich des Biotopcharakters als Wildlebensräume ungeeigneten Freizonen wird die betreffende Wildart nicht geduldet.

Im Rahmen des Managements sind neben den jagdlichen Maßnahmen auch Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft, die Lenkung von Freizeitaktivitäten und des Tourismus, die Verkehrsplanung und Landschaftsverbauung sowie Belange des Naturschutzes entsprechend zu berücksichtigen. Die regionale Detailplanung umfasst z.B. die Ausweisung von Habitatschutzgebieten mit Wegegebot für Touristen in wichtigen Einstands- und/oder Äsungsgebieten des Wildes oder die Festlegung von Schwerpunktbejagungsgebieten für das Wild in Bereichen starker Wildschadenskonzentrationen.

Insgesamt sollen durch eine ökologisch begründete räumliche und zeitliche Prioritätensetzung hinsichtlich der Landschaftsnutzung bzw. Nutzungseinschränkung Schäden sowohl an Wald als auch an standortgemäßen Wildpopulationen verhindert werden. Die Wildökologische Raumplanung ist in den Jagdgesetzen der Bundesländer Vorarlberg und Salzburg verankert (siehe z.B.  REIMOSER , 2002).

Wirkungen des Waldes
Im Österreichischen Forstgesetz werden die folgenden vier Wirkungen des Waldes definiert: - Nutzwirkung: wirtschaftlich nachhaltige Hervorbringung des Rohstoffes Holz - Schutzwirkung: Schutz vor Elementargefahren (Objektschutzfunktion) sowie Erhaltung der Bodenkraft gegen Erosion (Standortsschutzfunktion) - Wohlfahrtswirkung: Ausgleich von Klima und Wasserhaushalt, Reinigung und Erneuerung von Luft und Wasser, Lärmminderung - Erholungswirkung: Bereitstellung von Erholungsraum für Waldbesucher.

Z

Zuwachsrate
In der Wildbiologie die jährliche Zahl der Jungtiere pro weiblichem Tier. Zwar gibt es arttypische mittlere jährliche Zuwachsraten, doch kann die tatsächliche Zuwachsrate von Jahr zu Jahr erhebliche Unterschiede aufweisen. Die Variation der jährlichen Reproduktionsleistung bildet einen wichtigen Faktor der Populationsdynamik und kann durch, z.B. Klimabedingte, Schwankungen der Lebensraumbedingungen von Jahr zu Jahr verursacht werden.

Neben der Reproduktionsrate wird der reale Zuwachs einer Population aber auch von anderen Größen beeinflusst, wie der Bestandesgröße, dem Geschlechterverhältnis und der Sterblichkeit. Die Jagd kann z.B. über die Änderung der sozialen Struktur einer Population, die jagdliche Entnahme, die Beeinflussung des Wildverhaltens durch den Jagddruck oder Fütterung kann die Jagd Einfluss auf die Zuwachsrate nehmen.

Zwangswechsel
Wechsel, die das Wild infolge besonderer Geländeverhältnisse (Steilhänge, Schluchten, Wasserläufe etc.) oder künstlicher Hindernisse (Zäune, hochrangige Straßen, Mauern, Siedlungen etc.) zwangsweise einhalten muss; gleichsam räumlich bedingte Flaschenhalssituationen.