Artenvielfalt: Reichtum an Lebensformen in Hülle und Fülle

Der Reichtum an Lebensformen zeigt sich besonders bei den Tier- und Pflanzenarten, aber auch bei Pilzen und Mikroorganismen. Niemand weiß, wie viele Arten tatsächlich auf unserer Erde leben. Die globale Gesamtzahl aller Arten wird je nach Erhebungsgrundlage zwischen 2,5 Millionen und 30 Millionen geschätzt. Die meisten Schätzungen bewegen sich um die 10 Millionen Arten. Bis heute wurden rund 1,7 Millionen Arten von Lebewesen wissenschaftlich erfasst. In Europa sind vor allem Wirbeltiere und Blütenpflanzen gut erforscht. Wissenslücken gibt es bei Insekten, Pilzen, Flechten und Mikroorganismen.

Ökosysteme mit besonders hoher Artenvielfalt

Die Tropen beherbergen zwischen 50 und 75 % aller Arten, manche Schätzungen gehen sogar von 90 % aus. Ein Hektar Regenwald kann beispielsweise 42.000 Insektenarten und 1.500 Pflanzenarten beherbergen, davon alleine 750 verschiedene Baumarten. Auf einem Quadratmeter Regenwald können 50 verschiedene Arten von Ameisen vorkommen. Regenwälder liefern bis zu 80.000 essbare Pflanzen. Naturstoffe wie Bambus, Rinden, Fasern und Kautschuk können gewonnen werden. Durch deren Weiterverarbeitung entstehen u.a. Latex, Seifen, Kosmetika, Arzneistoffe, Treibstoffe, Öle und Insektizide.

 

 

Der enorme Reichtum dieser "Grünen Lunge" ist auch von gesundheitlichem und wirtschaftlichem Interesse. Aus unzähligen Pflanzenstoffen könnten Phytopharmaka gewonnen werden. Allerdings schrumpfen die Urwaldflächen massiv aufgrund menschlicher Profitgier. Als Ursachen für diese dramatische Entwicklung sind Holzgewinnung und Sojaproduktion zu nennen. Riesige Sojaplantagen bedrohen den Amazonas-Regenwald! Soja ist das meist gehandelte Landwirtschaftsprodukt auf dem Weltmarkt. Es wird vor allem als Kraftfutter für die Massentierhaltung von den Industrieländern importiert.

 

 

Auch in den Korallenriffen gibt es eine unvorstellbar große Ansammlung unterschiedlicher Lebewesen. Diese Artenfülle auf engstem Raum ist bis heute nur unzureichend bekannt. Tauchtourismus und die Klimaerwärmung machen den Riffen jedoch erheblich zu schaffen. Schon leicht erhöhte Temperaturen um 1 bis 2°C über mehrere Wochen während der wärmsten Jahreszeit verursachen ein Korallensterben (Korallenbleichen).

Artenvielfalt in Österreich

Österreich ist, verglichen mit anderen mitteleuropäischen Staaten, ein artenreiches Land. Neben weit verbreiteten europäischen Arten treten auch Elemente der südrussischen und mittel-asiatischen Steppen bei uns auf. Aber auch Arten des nördlichen Mittelmeergebiets, der nordwestlichen Balkanhalbinsel sowie der Arktis und der zentralasiatischen Gebirge bereichern unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Bei den Blütenpflanzen und Farnen sind 2.950 Arten zu nennen. Bemerkenswert ist auch das Vorkommen zahlreicher Endemiten. Das sind Pflanzen- und Tierarten, die nur in einem kleinen Verbreitungsgebiet vorkommen.

 

Auch die Artenvielfalt der österreichischen Tierwelt kann sich sehen lassen. Die Summe der Artenzahlen österreichischer Tiere wird von Geiser (1998) auf 45.870 Arten geschätzt. Fische sind mit 84 Arten vertreten, Amphibien mit 20 Arten, Reptilien mit 14 Arten, Säugetiere mit 101 Arten  und Vögel mit 242 Arten (Umweltkontrollbericht 2010).

 

Unglaublich hoch ist der Anteil der selten im Rampenlicht stehenden, wirbellosen Tierarten: Er beträgt insgesamt 98,6 % der gesamten Tierarten! Dies ist u. a. durch Gruppe der Insekten bedingt: Sie umfasst mehr als 36.000 Arten (GEISER 1998). Wie viele Tierarten tatsächlich in Österreich vorkommen, ist nicht bekannt. Vor allem bei den Insekten werden immer wieder neue Arten entdeckt.