Neozoen - nicht heimische Tierarten in Österreich

Zur Zeit sind rund 650 Neozoen für Österreich dokumentiert. Unter der Annahme, dass - wie in Deutschland - etwa 2% der im Gebiet vorkommenden Tierarten zu den Neozoen zu zählen sind, und unter Berücksichtigung der bei uns fehlenden marinen Lebensräume, ist für Österreich mit insgesamt vermutlich über 700 nicht heimischen Tierarten zu rechnen.

 

Setzt man die Gesamtartenzahl einer Tiergruppe in Österreich mit der Zahl der Neozoen bzw. der etablierten Neozoen in Beziehung, zeigen sich erwartungsgemäß große tiergruppenspezifische Unterschiede. Während die Gruppe der "Schwebgarnelen" (Mysidacea) in Österreich ausschließlich durch Neozoen vertreten ist, gilt dies z.B. nur für etwa 1% der Käferarten.

 

Für den Naturschutz bedeutsame Veränderungen durch Neozoen werden vor allem von wirbellosen Tieren verursacht. Als Krankheitsüberträger für die bedrohten einheimischen Flusskrebsarten besonders hervorzuheben sind amerikanische Flusskrebse (Pacifastacus leniusculus, Orconectes limosus). Die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) dringt zunehmend in naturnahe Standorte vor und ist für den Rückgang einheimischer Schnecken verantwortlich.

 

Stellvertretend für die hier nicht behandelten nicht-heimischen Mikroorganismen, die aber eine sehr wichtige ökologische und ökonomische Rolle spielen können, wird auf den sich in den letzten Jahren ausbreitenden Feuerbrand hingewiesen. Diese Bakterienkrankheit stammt vermutlich aus Nordamerika, wurde 1957 erstmals in Europa (England) und seit 1993 auch in Österreich nachgewiesen und hat sich seither in alle Bundesländer ausgebreitet.

 

Alle 27 in Österreich nicht-heimische Fischarten gelangten durch menschliche Eingriffe in heimische Gewässer, meist durch beabsichtigtes Aussetzen, selten durch unbeabsichtigtes Einschleppen.

 

Für die Ausbreitung dieser Fische bietet die bestehende Besatzpraxis ideale Voraussetzungen. Selbst Arten, die nicht in der Lage sind, in unseren Gewässern zu reproduzieren, sind so über Jahrzehnte präsent. Das gilt z.B. für den Graskarpfen, aber auch für den Aal, der im gesamten Donaueinzugsbereich nicht heimisch ist, aber österreichweit besetzt wird. Auch bei den Beständen der Regenbogenforelle handelt es sich zum Teil nicht um reproduzierende, sondern um durch Besatz aufrecht erhaltene Populationen. Das Fehlen von Informationen über den Bestand, die Arten- und Alterszusammensetzung der Fischbestände von Gewässern, die einen ökologisch vertretbaren Besatz erst möglich machen würden, und der Einsatz von nicht standortgerechtem Material, das in der Regel aus Zuchtanstalten stammt, sind zentrale Kritikpunkte an der gängigen Besatzpraxis. Dies gilt für heimische ebenso wie für eingebürgerte Arten.

 

Der Import nicht heimischer Fischarten ist auch einer der bedeutendsten Faktoren für die Einschleppung von Fischparasiten. Der Besatz von Gewässern mit Fischen unterschiedlicher Herkunft ist ein wirkungsvoller Ausbreitungsmechanismus für deren Parasiten. Ende der 1970er Jahre erfolgten vermehrt Importe südostasiatischer Aale (Anguilla japonica) nach Europa. Mit diesen Importen wurde der Aal-Schwimmblasenwurm Anguillicola crassus nach Europa gebracht. Die Parasiten etablierten sich erfolgreich in den europäischen Gewässersystemen im Europäischen Aal (Anguilla anguilla). Als Zwischenwirte kommen eine Reihe von benthischen und planktischen Crustaceen in Frage. Als paratenische Wirte (Hilfs- oder Stapelwirte) dienen zahlreiche heimische Fischarten. Die adulten Würmer leben als Blutsauger in der Schwimmblase des Aales.

 

Ein zunehmend im Freiland auftretendes Neozoon ist die im Zoohandel weit verbreitete Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans), deren natürliche Verbreitung in den östlichen USA bis NO-Mexiko liegt. Die Vorkommen dieser durch den Tierhandel beinahe weltweit verbreiteten Art gehen auf freigesetzte Heimtiere und ausgesetzte Exemplare an Garten- und Fischteichen zurück und sind daher oft in Städten bzw. deren Umgebung zu finden.

 

Vorkommen von im Freiland reproduzierenden Neozoen unter den Vogelarten gehen in Österreich überwiegend auf mehr oder weniger gezielte Freisetzungen zurück. Insgesamt haben bisher 15 Arten in Österreich im Freiland zumindest einmal erfolgreich gebrütet. Etablierte und in Österreich weit verbreitete Neozoen sind nur der Höckerschwan und der Fasan. Weitere etablierte Vorkommen bestehen zum Beispiel von der Mandarinente im Raum Wien. Die Vorkommen von Halsbandsittichen in Wien und Innsbruck scheinen wieder erloschen zu sein. Alle anderen unter natürlichen Bedingungen reproduzierenden Arten kommen entweder unbeständig oder erst seit wenigen Jahren vor. Kandidaten für eine zukünftige Etablierung gibt es vorerst wenige, wahrscheinlich ist diese für die Kanadagans, Weißwangengans, Nilgans, Rostgans und weitere einige Hühnervogelarten.

 

Freisetzungen von Vogelarten erfolgen in Österreich ohne Abschätzung von möglichen Konsequenzen. Die Effekte sind vorab zu wenig bekannt, werden in der Regel auch nach erfolgter Freisetzung nicht untersucht und sind im Nachhinein natürlich nur noch schwer feststellbar. Auswirkungen freigesetzter Vogelarten auf die indigenen Ökosysteme können sehr unterschiedlich und unerwartet sein. Zu erwarten sind Prädation, Konkurrenz um verschiedene Ressourcen wie Nahrung und Nistplätze oder Einschleppung von Krankheitserregern. 

 

Autochthone Arten erfahren eine indirekte Gefährdung durch Neozoen, wenn sie als Räuber derselben auftreten und deshalb vom Menschen bejagt werden. Eine besondere Gefährdung besteht, wenn im selben Gebiet eine nahe verwandte indigene Art vorkommt, die verdrängt werden kann oder möglicherweise mit ihr fortpflanzungsfähige Hybriden bildet. Dieses Problem besteht in Europa bei der Schwarzkopf-Ruderente und der Weißkopf-Ruderente. In Österreich betrifft dies in erster Linie das Aussetzen von Chukarhuhn und Rothuhn, nah verwandte Arten des autochthonen und gefährdeten Steinhuhns. Als mögliche neue Gefährdung für die heimischen Großfalkenarten müssen die Folgen von Wildvogel-Verpaarungen mit entkommenen Hybridfalken aus falknerischer Haltung gelten. Derartige Paare haben in Europa bereits mehrfach erfolgreich gebrütet. Bei der beachtlichen Anzahl an jährlich entkommenen Beizvögeln ist das Problem nicht zu unterschätzen, insbesondere dann, wenn kleine Wildvogelpopulationen betroffen sind (wie z.B. der heimische Sakerfalkenbestand).

 

Gegenwärtig sind fünfzehn der 101 für Österreich bekannten Säugetiere als Neozoen zu werten. Das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) wurde bereits seit dem Altertum in Gehegen gehalten, gezüchtet und später auch zur jagdlichen Nutzung freigesetzt. Für Österreich sind erste Nachweise seit 1779 von der Parndorfer Platte im Burgenland verbürgt. Der westmediterranen Herkunft entsprechend existieren freilebende Vorkommen nur in klimatisch begünstigten Lagen vor allem im Osten des Landes. Die Populationen treten kleinräumig auf, sind aber als etabliert zu bezeichnen. Die aus Nordamerika stammende Bisamratte (Ondatra zibethicus) wurde Anfang des 20. Jahrhunderts nahe Prag zur Pelzzucht angesiedelt und breitete sich von hier aus entlang der Wasserläufe rasch aus. In Österreich ist die Art an den größeren Gewässern der Niederungen weit verbreitet und ihre Populationen sind stabil. Die südamerikanische Nutria (Myocastor coypus) wurde ursprünglich für die Pelzgewinnung eingeführt und entkam etwa seit Beginn des letzten Jahrhunderts aus Zuchtfarmen in Frankreich und Westdeutschland. Sie ist an subtropische Klimate angepasst und kann sich in Österreich nur vereinzelt an Stillgewässern geschützter Beckenlagen behaupten. Selbst an diesen bevorzugten Standorten kommt es häufig zu starken Populationseinbrüchen in den Wintermonaten, die nur durch das hohe Reproduktionspotenzial wieder ausgeglichen werden können. 

 

Bereits seit den 1960er-Jahren ist das Vorkommen des aus Ostasien stammenden Marderhundes (Nyctereutes procyonoides) für Österreich bekannt. Er wurde anfangs vor allem in der Sowjetunion als Pelztier gezüchtet und seit 1928 in der Ukraine freigesetzt. Von hier breitete er sich rasch nach Westen aus und ist mittlerweile weit in Europa vertreten. Trotz seiner versteckten Lebensweise ist nördlich des Alpenhauptkammes eine größere Zahl von gesicherten Meldungen bekannt und sein Bestand gilt als gefestigt. Möglicherweise hat die Präsenz dieser Art Auswirkungen auf die heimischen Amphibienpopulationen, doch sind diesbezügliche Daten bisher noch nicht verfügbar. Der feuchte Waldgebiete bewohnende nordamerikanische Mink (Mustela vison) wird ebenfalls als Pelztier gezüchtet und ist mittlerweile vor allem in Skandinavien im Freiland stark vertreten. In Österreich wurden die ersten Jungtiere in freier Wildbahn 1977 im Waldviertel beobachtet.

 

Der nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor) wurde als Pelztier gezüchtet und breitete sich nach 1934 von Hessen ausgehend rasch am Kontinent aus. Für Österreich liegen Meldungen schon seit den 1970er-Jahren vor, die Expansion ist auch hierzulande gut belegt. Dieser Kleinbär ist gegenwärtig für alle Bundesländer mit Ausnahme des Burgenlandes nachgewiesen und im Bestand jedenfalls etabliert. Inwieweit ein Konkurrenzverhältnis zum Marderhund besteht ist nicht ausreichend bekannt, ein gewisser Beutedruck auf heimische Tierbestände kann aber angenommen werden.

 

Aus jagdlichem Interesse wurden die drei folgenden Hirsche freigesetzt. Der Damhirsch (Dama dama) hatte bis zur Eiszeit ein natürliches Vorkommen in Europa und wurde bereits unter den Römern zu Zuchtzwecken wieder aus seinen kleinasiatischen Rückzugsgebieten importiert. Im Mittelalter fanden Ansiedelungen in Österreich für die Gatterhaltung statt. Die daraus immer wieder entkommenden Tiere bildeten vereinzelt instabile frei lebende Populationen. Auch gegenwärtig existieren kleinere Bestände in mehreren Bundesländern. 

 

Der aus Ostasien stammende Sikahirsch (Cervus nippon) wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts in Niederösterreich nördlich der Donau freigesetzt und konnte sich hier bis heute behaupten. Der um 1870 ebenfalls lokal in Niederösterreich angesiedelte nordamerikanische Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus) war nur bis etwa 1930 vertreten und auch das davon abstammende Rudel im Lainzer Tiergarten ist etwa zu dieser Zeit wieder erloschen. Als Erinnerung an seine Präsenz hat sich einer seiner Parasiten, der um 1875 in einem Wildpark bei Turin erstmals entdeckte Amerikanische Riesenleberegel (Fasciolides magna), erst in jüngster Zeit in Europa ausgebreitet.

 

Das ursprünglich in Asien beheimatete Mufflon (Ovis ammon) wurde bereits im Neolithikum als Haustier gezüchtet und verwilderte etwa auf den Mittelmeerinseln wieder. Davon abstammende Tiere aus Sardinien wurden 1730 als Zootiere nach Wien gebracht und bald auch in Lainz in Gattern gehalten. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts werden die Tiere im ganzen Bundesgebiet als Jagdwild freigesetzt und nehmen an geeigneten Standorten zu.

 

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Neuankömmlinge unter den Schnecken und Muscheln vervielfacht und immer mehr erweisen sich wegen fehlender Feinde und Konkurrenten als Schädlinge oder bedrängen als Nahrungskonkurrenten einheimische Arten. Die eingeschleppten Arten machen mehr als 10% der Molluskenfauna Österreichs aus. Hinzu kommt, dass andere nicht-heimische Tierarten - wie die Bisamratte - einheimische Weichtiere, die durch die Verschlechterung der Umweltbedingungen schon stark gefährdet sind, zusätzlich bedrohen.

 

Die - den meisten Gartenbesitzern bekannte - aus Westeuropa (Spanien, Frankreich) stammende Spanische Wegschnecke wurde in Österreich erstmals 1972 festgestellt. Seither hat sie sich fast über das ganze Bundesgebiet ausgebreitet. Besonders bedenklich ist, dass die Spanische Wegschnecke in naturnahe Lebensräume eindringt - vor allem in die Auwälder von Donau, Inn, Enns und Mur und alle Feuchtwiesen - wo sie oft schon die häufigste Schneckenart ist. Die Auswirkungen der Spanischen Wegschnecke, wie auch die Auswirkungen des unkontrollierten Einsatzes von Molluskiziden auf den Menschen und die Folgeschäden für andere Tiere sind noch kaum abzuschätzen.

 

Von den in Europa in schneller Ausbreitung begriffenen und aus der Donau, March und dem Bodensee gemeldeten Körbchenmuscheln sind die Weitgerippte Körbchenmuschel (Corbicula fluminea) und die nah verwandte Enggerippte Körbchenmuschel (Corbicula fluminalis) in Österreich nachgewiesen. Im Donauhafen von Linz wurde die höchste je in österreichischen Flüssen beobachtete Biomasse von Neozoen festgestellt: C. fluminea erreichte in dieser Untersuchung eine Biomasse von über 2 kg/m2.

 

Die heimischen Flusskrebsarten wurden durch direkte Konkurrenz seitens der ausgebrachten nordamerikanischen Flusskrebse, vor allem aber durch die Übertragung der Krebspest, an den Rand des Aussterbens gedrängt. Edelkrebsbestände können sich heute nur in isolierten, abgeschiedenen Gewässern halten. Einheimische Flusskrebse werden mittelfristig nur durch umfassende Artenschutzprogramme, welche die ihnen verbliebenen Gewässer als Lebensraum sichern, gezielte Zucht- und Wiederbesetzaktionen, das Verhindern des weiteren Vordringens der amerikanischen Arten, sowie durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, überleben können. 

 

Die ursprüngliche Heimat des Signalkrebses (Pacifastacus leniusculus) liegt in Nordamerika westlich der Rocky Mountains bis zur Pazifikküste. 1960 wurden Signalkrebse aus Nordamerika nach Schweden importiert, wo die gegen die Krebspest widerstandsfähige Art ab 1969 rasche Verbreitung fand. Nach Österreich wurden die ersten 2.000 Signalkrebse im Sommer 1970 direkt aus Kalifornien eingeflogen. Sie wurden in Gewässern Salzburgs, der Steiermark, Ober- und Niederösterreichs ausgesetzt.

 

Auch in der Donau dürften wechselseitige Verdrängungen verschiedener Flohkrebsarten (Gammaridea) stattgefunden haben. Es existieren Hinweise darauf, dass vor dem Auftreten der pontokaspischen Art Dikerogammarus haemobaphes der Flussflohkrebs G. roeseli im Stauraum des Kraftwerkes Ybbs-Persenbeug massenhaft vorgekommen ist, während er heute nur sehr lokal, insbesondere im Mündungsbereich direkter Donauzubringer mit einer typisch sommer-warmen Thermik, vorkommt. 1989 wurde dann die pontokaspische Gammaridenart Dikerogammarus villosus zum ersten Mal in der österreichischen Donau nachgewiesen, 1991 wurde sie bereits unterhalb von Hainburg, bei Schönau östlich von Wien sowie bei Zwentendorf gefangen und 1993 auch im Linzer Hafen. In vielen Kanalabschnitten ist die Art bereits dominant. Die Männchen besitzen kräftige Mundwerkzeuge und fressen andere Makroevertebraten, andere Gammaridenarten und auch kleine und schwache Artgenossen.

 

Mit Limnomysis benedeni wurde im Jahre 1973 erstmals für Österreich eine Schwebgarnele (Mysidae) in Gewässern der Donauniederung zwischen Wien und Hainburg entdeckt, von wo sie sich Donau-aufwärts weiter verbreitet hat und über den Main-Donau-Kanal bis in die Niederlande und nach Frankreich gelangt ist. Im Zuge der europaweit beobachteten Expansion von pontokaspischen Mysiden wurden jüngst zwei weitere Arten, vermutlich durch die Schiffahrt, in den österreichischen Abschnitt der Donau eingeschleppt (Hemimysis anomala, Katamysis warpachowskyi). Auch die aus dem Mittelmeerraum stammende Süßwassergarnele Atyaephyra desmaresti ist kürzlich in die obere Donau eingewandert.

 

Der Schlickkrebs Corophium curvispinum ist die heute am weitesten verbreitete Amphipodenart pontokaspischer Herkunft. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Art - durch verschiedene Kanäle wandernd und von Schiffen verschleppt - ihre ursprüngliche Verbreitung auszuweiten und in Richtung Ost- und Nordsee vorzustoßen.

 

Von den rund 130 in Österreich vorkommenden Heuschreckenarten sind nur wenige als etablierte Neozoen zu betrachten. Die Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale) wurde im Jahr 1900 erstmals für Österreich bei Wr. Neustadt in einem Eisenbahnwaggon gefunden. Die nächsten Funde gelangen 1953 und 1968 in Wien, mittlerweile liegen Nachweise für fast alle Bundesländer vor, in der Regel aus dem unmittelbaren Siedlungsbereich, der klimatisch günstige Voraussetzungen für ein Überleben der Art schafft. Diese flugunfähige Art kann als ein klassisches Beispiel für Verschleppung durch menschliche Aktivitäten angesehen werden. Als Transportmittel wird in der Literatur häufig der Autoverkehr genannt.

 

Die aus Nordamerika stammende und an Platanen lebende Platanengitternetzwanze (Corythucha ciliata) wurde 1964 erstmals für Mitteleuropa in Oberitalien (Padua) beobachtet. Der erste Nachweis für Österreich stammt aus dem Jahr 1982 aus Kärnten. Corythucha ciliata hat mittlerweile ein großes Areal in Europa besiedelt und breitet sich noch immer aus.

 

Die durch ihre verbreiterten Hinterbeine auffallende Koniferen-Randwanze (Leptoglossus occidentalis) stammt aus Nordamerika und tritt seit 1999 in Europe auf. Sie saugt an den Samenanlagen von Nadelbäumen, wodurch deren herabgesetzt wird. Im Herbst suchen die Tiere Überwinterungsplätze und dringen dabei in Wohnungen ein, wo sie lästig werden können.

 

Die Amerikanische Büffelzikade (Stictocephala bisonia) wurde 1912 erstmals für Europa in Jugoslawien festgestellt. Sie ist wahrscheinlich mit Obst- und Weinstöcken aus Nordamerika verschleppt worden, hat sich mittlerweile bis Nordafrika und Mittelasien ausgebreitet und ist seit etwa 1960 für Österreich bekannt.

 

Die Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa) stammt aus Nordamerika und wurde 1996 erstmals in Österreich festgestellt. Sie saugt an verschiedenen Gehölzen und kann im Obstbau Probleme machen. Die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus) kommt seit 2004 in den Weinbaugebieten der Südoststeiermark vor und überträgt einen Krankheitserreger ("Lavescence dorée), der Blätter und Trauben verwelken lässt.

 

Unter den Blattläusen (Aphidina) ist die Reblaus (Dactylosphaera vitifolii) wohl eines der bekanntesten Beispiele für eine Einschleppung von Neozoen mit Kulturpflanzen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Reblaus mit Weinreben von Nordamerika nach Europa (Frankreich) eingeschleppt und 1868 von A. W. Freiherr v. Babo mit Rebmaterial zu Versuchszwecken aus Frankreich nach Österreich importiert. Von der Weinbauschule in Klosterneuburg breitete sich die Reblaus ab 1872 aus. 

 

Nach großen Verlusten im europäischen Weinbau konnten die europäischen Reben erst durch die Einführung des Pfropfrebbaues mit resistenten nordamerikanischen Unterlagen vor der Reblaus geschützt werden. In den letzten Jahren häufen sich jedoch wieder Berichte über ein Auftreten der Reblaus in Deutschland, der Schweiz und auch in Österreich. 

 

Als wirtschaftlich bedeutender Getreideschädling ist die Russische Weizenblattlaus (Diuraphis noxia) zu nennen, die erst kürzlich in Österreich festgestellt wurde und sich im östlichen Österreich weiter ausbreitet.

 

Über 100 gebietsfremde Käferarten sind für Österreich bekannt. Dazu zählt z.B. der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata), dessen Invasionsgeschichte in Mitteleuropa gut dokumentiert ist. 

 

Von besonderem Interesse ist die gegenwärtige Arealexpansion des ebenfalls aus Nordamerika stammenden Mais-Schädlings Diabrotica virgifera im südlichen Europa. Dieser Käfer wurde 1992 erstmals in Europa in der Nähe des Belgrader Flughafens gefunden, 1995 hatte er bereits Kroatien, Ungarn und Rumänien erreicht. Daraufhin wurde ein Warndienst eingerichtet, Pheromon- und Gelbfallen aufgestellt und die Landwirte informiert. Mittlerweile ist der Käfer dennoch weiter vorgedrungen und wurde auch in Italien und der Schweiz festgestellt. Im Sommer 2002 wurde er im nordöstlichen Burgenland erstmals für Österreich festgestellt.

 

Der aus Asien (China, Korea, Taiwan) stammende und auch nach Nordamerika verschleppte Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) wurde in Braunau am Inn, erstmals in Mitteleuropa, vermutlich im zweiten oder dritten Befallsjahr, entdeckt. Dieser bis zu 35 mm große Käfer wurde wahrscheinlich mit Verpackungsholz aus China eingeschleppt. In Braunau wurden bisher mehrere Dutzend Exemplare festgestellt, die alle an Ahornbäumen gefunden wurden. Durch den Larvenfraß und Fäuleeintritt wird die Holzfestigkeit vermindert. Besondere Aufmerksamkeit erlangt der Bockkäfer da auch gesunde Bäume befallen werden. 

 

Aufgrund der sofort eingeleiteten Bekämpfungsmaßnahmen sind die Schäden noch gering, allerdings könnte sich das bei einer weiteren Verbreitung in Österreich rasch ändern. Die Kosten der Bekämpfungsmaßnahmen in New York betragen pro Jahr rund 4 Millionen US $. Trotz phytosanitärer Importbestimmungen erscheint allerdings durch den zunehmenden wirtschaftlichen Warenverkehr mit China eine neuerliche Einschleppung dieser Art in Österreich bzw. in Mitteleuropa sehr wahrscheinlich.

 

Seit 2006 tritt auch der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) in Österreich auf. Der zur biologischen Kontrolle von Blattläusen in Glashäusern eingeführte Käfer gelangte ins Freiland und hat negative Auswirkungen auf heimische Marienkäferarten und andere blattlausfressende Insekten.

 

Ameisen (Formicidae) zählen weltweit gesehen zu den invasivsten Neozoen. Weltweit wurden bisher 147 Ameisenarten aus 49 Gattungen außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes festgestellt. Ameisen haben einen großen Einfluss auf die Tierzönosen der neu besiedelten Lebensräume. Besonders dramatisch waren die Folgen für die indigene Ameisenfauna vor allem auf mehreren ozeanischen Inseln (Galapagos, Bermuda, Seychellen). In Österreich sind bisher noch keine negativen Auswirkungen bekannt geworden.

 

Von den rund 4.000 in Österreich vorkommenden Schmetterlingen sind nur rund 1% Neozoen. Es handelt sich dabei fast durchwegs entweder um Vorratsschädlinge (z.B. Kartoffelmotte, Reismotte), wirtschaftlich bedeutende Arten in der Land- und Forstwirtschaft (z.B. Rübenmotte) oder Arten, die infolge der anthropogen geförderten Ausbreitung ursprünglich neophytischer aber auch mediterran verbreiteter Futterpflanzen ihr Areal erweitern konnten. 

 

Garten- und Parkanlagen aber auch land- und forstwirtschaftliche Produktionsflächen sind ideale Voraussetzungen für eine Etablierung vieler dieser Arten. Deutlich zugenommen hat in den letzten Jahrzehnten vor allem die Einschleppung von Schmetterlingen aus Nordamerika (Amerikanischer Webbär, Thujen- und Robinienminiermotte) sowie dem Mittelmeerraum (Platanen- und Feuerdornminiermotte) mit nachfolgender Gründung eines Sekundärareals. Dabei begünstigt die geringe Körpergröße von Kleinschmetterlingen ihre passive Verschleppung durch den Menschen, z.B. mit Vorräten, Zierpflanzen oder Verkehrsmitteln.

 

Eine in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommene Art ist die Kastanienminiermotte, die seit 1989 in Österreich vorkommt und sich bei uns und auch in Mitteleuropa weiterhin ausbreitet. Handlungsbedarf besteht wegen des vorzeitigen Laubfalls als Folge der Fraßtätigkeit der blattminierenden Larven besonders im städtischen Bereich. 

 

Erst im Jahr 2000 wurde auch die ursprünglich aus Japan stammende Lindenminiermotte in Österreich festgestellt, eine Art die innerhalb weniger Jahre über die Ukraine und Russland erhebliche Teile Polens besiedelt hat und inzwischen auch in Ostdeutschland und der Tschechischen Republik auftritt.