Neophyten und Neomyzeten - nicht heimische Pflanzen- und Pilzarten in Österreich

Insgesamt wurden bislang in Österreich 1.269 neophytische Gefäßpflanzen nachgewiesen. Somit liegt der Anteil der Neophyten an der Gesamtflora Österreichs (ca. 4.060 Taxa) bei etwa 31%.

 

Von den 1.269 Neophyten gelten ca. 300 (24%) als etabliert, der Rest (76%) als unbeständig. Für die neophytischen Gefäßpflanzen Österreichs stellt der Import von Zier- oder Nutzpflanzen den wichtigsten Einführungsweg dar. Etwa 57% der Neophyten Österreichs sind aus Kulturen verwildert, etwa 31% wurden unabsichtlich eingeschleppt. Insgesamt 13 neophytische Gefäßpflanzenarten verursachen bedeutende wirtschaftliche Schäden. Diese betreffen v.a. die Landwirtschaft und in geringerem Ausmaß die Forstwirtschaft, Gewässerinstandhaltung sowie gesundheitliche Aspekte.

 

Für den Naturschutz problematisch erscheinen folgende 18 Arten der Neophyten Österreichs. Eschen-Ahorn (Acer negundo), Götterbaum (Ailanthus altissima), Lanzett-Aster (Aster lanceolatus), Neubelgien-Aster (Aster novi-belgii), Schwarzfrucht-Zweizahn (Bidens frondosa), Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis), Amerikanisches Weidenröschen (Epilobium ciliatum), Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica), Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis), Pennsylvanische Esche (Fraxinus pennsylvanica), Topinambur (Helianthus tuberosus), Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera), Kleinblütiges Springkraut (Impatiens parviflora), Hybrid-Pappel (Populus x canadensis), Robinie (Robinia pseudacacia), Schlitzblatt-Sonnenhut (Rudbeckia laciniata), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Späte Goldrute (Solidago gigantea).

 

Unter den Pilzen sind 83 Neomyzeten aus Österreich bekannt. Aufgrund der mangelhaften Erforschung dürfte die tatsächliche Zahl wohl wesentlich höher liegen. Von den Arten sind 23 in heimischen Ökosystemen und 40 auf Kultur- und Nutzpflanzen etabliert (bei 2 Doppelnennungen), 22 Arten treten nur unbeständig auf. Einigen der insgesamt 30 wirtschaftlich relevanten Neomyzeten Österreichs kommt als Schädlinge auf Nutz- und Zierpflanzen eine bedeutende ökonomische Rolle zu (z.B. Phytophtora infestans, Ustilago maydis). Für den Naturschutz bedeutsam sind fast ausschließlich jene parasitischen Neomyzeten, die heimische Organismen parasitieren; unter diesen befinden sich gegenwärtig 6 Arten, die für ihre Wirte eine potenzielle Bedrohung darstellen. Hervorzuheben sind die Verursacher der Krebspest (Aphanomyces astaci) und des Ulmensterbens (Ophiostoma ulmi und O. novo-ulmi).

Gefäßpflanzen

Der aus dem östlichen Nordamerika stammende Eschen-Ahorn (Acer negundo) wurde 1688 erstmals in Europa kultiviert und breitet sich seit etwa Anfang des 19. Jahrhunderts in ganz Mitteleuropa aus. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der als Zierbaum und forstlich kultivierte Eschen-Ahorn für Österreich schon als "häufig verwildert" angegeben. Heute kommt die Art im Pannonischen Raum weit verbreitet und im nördlichen und südöstlichen Alpenvorland zerstreut vor. Der Eschen-Ahorn ist vor allem in Weichholzauwäldern zu finden und bildet z.B. in den Donauauen des Pannonischen Raumes in Silberweidenbeständen häufig eine zweite Baumschicht aus. Dadurch kann der Eschen-Ahorn die Verjüngung der dominierenden, heimischen Lichtholzarten behindern, einen Umbau der Bestandesstruktur und eine Reduzierung der Artenvielfalt bewirken. Im Nationalpark Donau Auen gilt der Eschen-Ahorn aus Naturschutzsicht als problematischste Baumart der Weichholzauen und wird versuchsweise auf kleinen Flächen durch Ringelung zurückgedrängt.

 

Der aus Süd- und Ostasien (China, eventuell Teile Koreas) stammende Götterbaum (Ailanthus altissima) wurde erstmals um 1850 in Österreich als Zier- und Forstbaum kultiviert. Der Mangel an geeigneten Standorten in den dicht verbauten Stadtkernen und die intensive Pflege der Grünanlagen verhinderte zunächst die weitere Ausbreitung. Nach dem 2. Weltkrieg konnte sich die Art aber in Mitteleuropa auf den großen Brach- und Trümmerschuttflächen der zerbombten Städte etablieren. In Wien war der Götterbaum bereits in den 1930er Jahren eine Charakterart der östlichen und südlichen Stadtbezirke, die stärkste Ausbreitung erfolgte jedoch auch in Wien erst auf den Trümmerschuttflächen nach 1945. Der Götterbaum ist heute, besonders in den Städten (Wien, Linz, Graz) und im pannonischen Raum häufig. Er bevorzugt trockene und warme Lebensräume (Pflasterritzen, Trümmerschutt, Ruinen, Ruderalstandorte, Halbtrockenrasen) und besiedelt sogar die Fugenstandorte zwischen Gehweg und Gebäudemauern von fast völlig versiegelten Bereichen. In Städten ist das Vorkommen des Götterbaums an solchen Extremstandorten aus Naturschutzsicht wenig problematisch. Durch seine Schnellwüchsigkeit und hohe Reproduktionskapazität ist der Götterbaum aber auch in naturnahen Biotoptypen sehr konkurrenzstark und die teilweise Verdrängung standorttypischer autochthoner Pflanzenarten in (Halb)Trockenrasen - wie auch aus Ungarn dokumentiert - stellen eine zusätzliche Bedrohung der ohnehin gefährdeten xerothermen Fauna und Flora dar. Wegen der ausgeprägten Fähigkeit zur Bildung wurzelbürtiger Sprosse ist eine Bekämpfung durch Kahlschläge problematisch, im Nationalpark Donau Auen wird der Götterbaum seit einigen Jahren durch Ringelung bekämpft, die zu einem Absterben der Bäume innerhalb von 2 bis 3 Jahren führt.

 

Die aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) dürfte seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich vorkommen. Ihre starke Ausbreitung seit Ende der 1980er Jahre im südöstlichen Mitteleuropa und in Österreich ist noch nicht abgeschlossen. Die Art lebt bevorzugt an Ruderal- und Segetalstandorten, wo sie in Ungarn, der Slowakei und Kroatien bereits eine der häufigsten Arten ist. Da der Pollen von Ambrosia artemisiifolia zu den aus allergologischer Sicht bedeutenden Pollentypen gehört, ist in den nächsten Jahren mit einer Zunahme von allergischen Symptomen im Spätsommer zu rechnen. Die späte Blüte der Beifuß-Ambrosie im August und September verlängert die Pollensaison. Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung für Pollenallergiker zu einem Zeitpunkt, da Gräserpollen nur noch in geringen Mengen fliegen.

 

Die ebenfalls aus Nordamerika stammende Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) wurde im 19. Jahrhundert nach Mitteleuropa eingeschleppt. Von ihr sind in Mitteleuropa ausschließlich weibliche Pflanzen bekannt, die sich vegetativ durch Astfragmente und besondere Wintersprossen vermehren. Werden dominante Bestände ausgebildet, kann eine Veränderung der Biozönose aquatischer Lebensräume folgen. Nach einer anfänglichen starken Expansion erfolgte in den letzten Jahrzehnten offenbar wieder ein Bestandesrückgang. Die Wasserpest bevorzugt nährstoffreiche, stehende oder langsam fließende Gewässer und ist besonders häufig in mäßig bis stark durch hohe Phosphat- oder Ammoniumwerte belasteten Gewässern. Erst seit kurzem sind zwei weitere Arten dieser Gattung in Österreich zu beobachten (Elodea nuttallii aus Nordamerika und Elodea callitrichoides aus Argentinien).

 

Die beiden Staudenknöteriche (Fallopia japonica, Fallopia sachalinensis) stammen aus Japan, China und Korea. Beide Arten wurden im 19. Jahrhundert als Zier- und Viehfutterpflanzen nach Mitteleuropa eingeführt. Die Verbreitung erfolgt vor allem über die Verschleppung von Wurzelstücken durch Hochwässer, Aushub oder Gartenabfälle. Staudenknöterichklone können sich über Rhizome horizontal bis zu einem Meter pro Jahr ausbreiten, so dass rasch dichte Bestände entstehen. Fallopia japonica kommt in allen Bundesländern Österreichs vor, F. sachalinensis ist hingegen noch relativ selten. Beide Arten leben in lichten Auwäldern, feuchten Hochstaudenfluren, seltener auch an frischen bis feuchten Ruderalstellen. Haben sich der Japanische oder der Sachalin-Staudenknöterich an einem Standort etabliert, so werden bald große Bestände aufgebaut. Der starke Schattenwurf des geschlossenen Blätterdaches bewirkt, dass alle anderen krautigen Arten aufgrund von Lichtmangel absterben oder sehr stark kümmern. Gehölz- oder Hochstaudenverjüngung findet in dichten Beständen der Staudenknöteriche nicht statt. In Deutschland wurden bei dominanten Vorkommen Uferschutzprobleme beobachtet, da die feinwurzelarmen Reinbestände im Winterhalbjahr nur einen ungenügenden Erosionsschutz bieten. Eine erfolgreiche Bekämpfung etablierter Staudenknöterichbestände ist sehr aufwendig. Wie mehrere Untersuchungen in Deutschland zeigten, gelingt es mit einer mehrmaligen Mahd (eventuell in Kombination mit Beweidung), Staudenknöterichbestände in ihrer Vitalität zu schwächen. Das Mähgut muss sorgfältig entfernt werden, weil sich sonst herumliegende Sprossabschnitte bei feuchter Witterung wieder bewurzeln können.

 

Das aus Mittelamerika stammende Kleinblütige Knopfkraut (Galinsoga parviflora) trat in Österreich erstmals 1850 auf (Wien), 1860 wurde die Art in Graz und 1866 in St. Paul im Lavanttal gefunden, etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist G. parviflora in Österreich verbreitet. Das aus Südamerika stammende Behaarte Knopfkraut (Galinsoga ciliata) wurde in Österreich erstmals aus Innsbruck (1915) und Wien (1916) gemeldet. Obwohl die Ausbreitung von Galinsoga ciliata um einige Jahrzehnte später als bei ihrer Schwesterart erfolgte, ist diese Art heute in Österreich lokal häufiger. Beide Arten haben sehr ähnliche ökologische Ansprüche und kommen vor allem in Hackfruchtäckern und an nährstoffreichen Ruderalstellen vor. Bei häufigem Auftreten in Äckern sind beide Arten als schwierig einzudämmende Beikräuter einzustufen, so dass es zu Ertragsminderungen kommen kann. In Äckern werden beide Galinsoga-Arten daher aus ökonomischen Gründen mit Herbiziden bekämpft. Maßnahmen aus naturschutzfachlichen Motiven sind nicht dokumentiert und erscheinen auch kaum sinnvoll.

 

Der vermutlich aus Mexiko oder dem östlichen Nordamerika stammende Topinambur (Helianthus tuberosus) wurde bereits Anfang des 17. Jahrhunderts zu Speisezwecken nach Europa eingeführt. Heute wird diese Art als Zierpflanze angebaut, Verwilderungen größeren Ausmaßes erfolgen in Mitteleuropa seit etwa 1930. In Österreich kommt der Topinambur zerstreut in allen Bundesländern an feuchten, Uferbegleitenden Hochstaudenfluren und lichten Auwäldern vor. Wegen der vegetativen Vermehrung ist diese Art zum Aufbau dichter, hochwüchsiger Bestände befähigt und kann so eine bedeutende Konkurrenz für einheimische Arten darstellen.

 

Der aus dem Kaukasus stammende Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) wurde bereits im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa kultiviert, Mitte des 20. Jahrhunderts als Deckungspflanze für Wild propagiert und gelegentlich von Imkern als Bienenweide angesät. Unabsichtlich erfolgte die weitere Verbreitung durch Bauschutt und Gartenabfälle. In Österreich ist die Art in den letzten Jahrzehnten in Ausbreitung begriffen. Der Riesen-Bärenklau lebt an feuchten Hochstaudenfluren (oft entlang von Bächen) und frischen bis feuchten Ruderalstandorten der kollinen bis montanen Stufe und bildet lokal dominante Bestände. Er enthält Furanocumarine, die bei Hautkontakt zu Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung führen. Bei Sonneneinstrahlung verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit kann der Pflanzensaft bei allergisch reagierenden Menschen und bei Kindern besonders starke Hautreizungen hervorrufen.

 

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) stammt aus dem westlichen Himalaya, wo es in Höhenlagen zwischen 2000 und 3000 Meter in feuchten Bachtälern vorkommt. 1839 wurden erstmals Samen des Drüsigen Springkrauts nach Europa (England) importiert, erste eingebürgerte Wildvorkommen traten in den 1850er Jahren in England auf. Bald wurden die ersten Verwilderungen auf dem europäischen Kontinent in Frankreich und der deutschen bzw. holländischen Nordseeküste festgestellt. Die Art wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Österreich in Gärten wegen ihrer attraktiven Blüten kultiviert. Erste Fundorte von Verwilderungen des Drüsigen Springkrauts stammen aus Niederösterreich und Kärnten. Eine weitere starke Ausbreitung erfolgte erst in den letzten Jahrzehnten. Heute ist diese Art in Österreich häufig bis sehr häufig in der kollinen bis untermontanen Stufe verbreitet und bildet in lichten, feuchten und gut nährstoffversorgten Fluss- und Bachauen oftmals Massenbestände. An optimalen Standorten baut das annuelle Drüsige Springkraut hochwüchsige (bis etwa 2,5 m!) und dicht schließende Dominanzbestände auf. Da es überwiegend auf naturnahen Standorten (Auwäldern, feuchte Hochstaudenfluren) vorkommt, stellt das Drüsige Springkraut eine bedeutende Konkurrenz zur autochthonen Flora dieser Biotoptypen dar. Vom Drüsigen Springkraut dominierte Bestände weichen zudem strukturell wesentlich von den ursprünglichen Beständen ab, mit möglichen Konsequenzen für Tierarten, die entsprechende Habitatstrukturen bevorzugen.

 

Die Ausbreitung des aus Mittelasien stammenden Kleinblütigen Springkrauts (Impatiens parviflora) in Mitteleuropa begann Anfang 1830. Die ersten Meldungen aus Österreich stammen aus dem ausklingenden 19. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert breitete sich das Kleinblütige Springkraut explosionsartig aus und ist heute der häufigste Neophyt in zonalen mitteleuropäischen Wäldern.

 

Untersuchungen zur Konkurrenz zwischen dem einheimischen Großen Springkraut (Impatiens noli-tangere) und dem Kleinblütigen Springkraut (Impatiens parviflora) zeigten, dass die einheimische Art auf suboptimalen, d.h. relativ trockenen Standorten unterlegen ist, und es dort zu Dominanzverschiebungen kommt. In Jahren mit feuchtem Frühling, die für die annuelle Art günstige Entwicklungsmöglichkeiten bieten, kann sie im Sommer aspektbestimmend auftreten. Dann sind als Folge der Konkurrenz um Licht und Nährstoffe eingeschränkte Entwicklungsbedingungen für andere Arten festzustellen.

 

Die aus der eurasischen Schwarz-Pappel Populus nigra und der nordamerikanischen Virginischen Pappel Populus deltoides entstandene Hybrid-Pappel (Populus x canadensis) ist im nördlichen und südöstlichen Alpenvorland und im Pannonischen Raum zerstreut bis mäßig häufig verbreitet. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Aubereichen der großen Tieflandflüsse, vor allem entlang der Donau. In Tieflandauen erfolgt in Mitteleuropa ein großflächiger Anbau der raschwüchsigen Hybrid-Pappeln in Monokulturen mit negativen Auswirkungen auf die standortstypischen Biozönosen der Flußauen. Zusätzlich haben molekulargenetische Untersuchungen der letzten Jahre gezeigt, dass es zu Rückkreuzungen zwischen Populus x canadensis und der einheimischen Schwarz-Pappel (Populus nigra) kommen kann.

 

Die aus dem östlichen Nordamerika stammende Robinie (Robinia pseudacacia) wurde erstmals um 1630 nach Europa eingeführt (Frankreich), um 1670 erstmals in Deutschland angepflanzt und seit etwa 1750 großflächig in Mitteleuropa kultiviert (Ödlandaufforstung, Bienenweidepflanze, Rebpfähle für Weinbau, Windschutzstreifen). In den Tieflagen Österreichs ist sie besonders im Pannonischen Raum bestandsbildend und immer noch in Ausbreitung begriffen. Die Robinie gilt als die häufigste neophytische Gehölzart Österreichs. Die Robinie ist im warm-trockenen Klima Ostösterreichs in einer größeren Anzahl von Lebensräumen konkurrenzstark: trockene Wälder (vom Flaumeichenbuschwald bis zu Hartholzauen), Waldränder, Feldgehölze, Windschutzanlagen. Die Robinie ist sehr trockenheitsresistent und breitet sich daher oft auch in Trockenrasen aus. Zusätzlich wird sie noch immer häufig gepflanzt. Da die Robinie durch Stickstoffakkumulation standortsverändernd wirkt, kommt es zur Ausbildung eines eigenen, artenarmen Lebensraumtyps, in dessen Unterwuchs Ruderalarten und Nährstoffzeiger dominieren. Die Robinie ist aus Naturschutzsicht vermutlich der problematischste Neophyt in Österreich. Sie hat große ökologische Konsequenzen für die einheimische Vegetation und ist zudem nur sehr schwierig und aufwendig zu bekämpfen. Die starke Stickstoffanreicherung im Boden (Knöllchenbakterien) führt rasch zum völligen Bestandesumbau unter Ausfall konkurrenzschwächerer Arten, die Artenzahl der Begleitvegetation sinkt dramatisch ab. Die ausgeprägte vegetative Vermehrung ermöglicht den effizienten Aufbau von Dominanzbeständen und durch Wurzelschösslinge das sukzessive Eindringen in angrenzende Flächen, wie z.B. Trockenrasen. In Österreich wird die Robinie aus naturschutzfachlichen Gründen im Nationalpark Donauauen seit einigen Jahren durch Ringelung und Nachschneiden der Wurzelsprosse bekämpft. Es handelt sich überwiegend um Bestände, in denen die Robinie nur beigemischt vorkommt. Die Erfolgsquote der Maßnahmen ist unterschiedlich, in Summe aber zufriedenstellend.

 

Die beiden nordamerikanischen Goldruten, die Kanadische und die Späte Goldrute (Solidago canadensis, S. gigantea) wurden als Zierpflanzen nach England eingeführt. Erste Verwilderungen wurden in Deutschland um 1850 festgestellt, seit etwa 1950 breiten sich beide Arten in Mitteleuropa explosionsartig aus. In Österreich sind sie in der kollinen bis submontanen Stufe häufig bis sehr häufig anzutreffen. Die Späte Goldrute bevorzugt feuchte Böden und kommt daher vor allem in lichten Auwäldern und feuchten Hochstaudenfluren vor. Die Kanadische Goldrute besitzt eine sehr weite ökologische Amplitude und hat ihren Verbreitungsschwerpunkt neben den Austandorten in Wiesen- und Feldbrachen, in ausdauernden Ruderalfluren und an Straßenböschungen. Beide Goldrutenarten sind sehr konkurrenzkräftig und neigen durch starke vegetative Vermehrung mit Rhizomen zur Ausbildung artenarmer Dominanzbestände, die sich auch in naturnahen Biotopen etablieren können. Als besonders problematisch wird das Eindringen in brachliegende Halbtrockenrasen und Feuchtwiesen gewertet, da dies zum Verschwinden seltener Arten führen kann.

Niedere Pflanzen

Aufgrund ihrer Ausbreitungsökologie und der geringen Bedeutung als Nutz- und Zierpflanzen spielt der anthropogene Transport von Moosen eine geringe Rolle. Als in Österreich etablierte Neophyten können Campylopus introflexus und Lunularia cruciata gelten. Beide Arten haben ihre ursprüngliche Heimat in wärmeren Klimaten, wurden eingeschleppt und haben inzwischen seit Jahr(zehnt)en stabile Populationen entwickelt.

 

Einige Flechtenarten haben durch Besiedelung anthropogener Standorte, durch emissionsbedingte Schwächung konkurrierender Flechten oder durch Klimaveränderungen eine starke Ausbreitung erfahren und stellen meist regionale Neophyten dar. Hier sind z.B. die obligat gesteinsbewohnenden Arten einzureihen, die an Mauern, Gebäuden, Grabsteinen, Dachplatten etc. Sekundärstandorte besiedeln. Der Verdacht auf Einschleppung einer Flechte nach Österreich besteht bei Phaeophyscia rubropulchra, einer kleinen, aber auffälligen Blattflechte, die im östlichen Nordamerika und in Ostasien verbreitet ist. Ihr einziges europäisches Vorkommen wurde kürzlich im oberösterreichischen Donautal entdeckt.

 

Viele Algen haben aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber verschiedenen Umweltfaktoren (Temperatur, Nährstoffe, usw.) und sehr effizienten Ausbreitungsmechanismen eine kosmopolitische Verbreitung. Die Kieselalge Gyrosigma macrum tritt im Plankton und Benthos salzhältiger Binnengewässer auf. Ihre Verbreitung ist wahrscheinlich kosmopolitisch. Sie wurde im Neusiedler See erstmals in den 1970er Jahren nachgewiesen, fehlte aber bei früheren Erhebungen. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Algenart durch Wasservögel oder durch den Besatz mit Aalen eingeschleppt wurde. Die Blaualge Cylindrospermopsis raciborskii hat eine tropische bis temperate Verbreitung, kommt als Eutrophierungszeiger im Plankton vor und wurde in Österreich erstmals Anfang der 1990er Jahre mit einem Massenvorkommen in der Alten Donau in Wien nachgewiesen. Auch für die Etablierung von Peridiniopsis borgei (Dinophyceae, Panzerflagellaten) dürften anthropogene Veränderungen im Gewässerchemismus verantwortlich sein.

Pilze

Der Mensch dürfte schon lange an der Arealvergrößerung von Pilzarten beteiligt gewesen sein, und es kann als sicher angenommen werden, dass zu Beginn der Neuzeit mit der Aufnahme bzw. Intensivierung der Handelsbeziehungen zu anderen Kontinenten die weltweite Verschleppung von Pilzen enorm zugenommen hat.

 

Die Ausbreitungsgeschichte von Clathrus (=Anthurus) archeri, dem Tintenfischpilz ist vergleichsweise gut bekannt. Die Art wurde um 1910 in Europa eingeschleppt, wahrscheinlich mit neuseeländischen oder australischen Wollimporten. Der erste österreichische Nachweis dürfte aus dem Jahr 1948 aus Zell am Moos (Oberösterreich) stammen, mittlerweile kommt der Tintenfischpilz in allen Bundesländern vor. Ein zweiter Fall eines in Österreich etablierten Neomyzeten könnte Agaricus bisporus, der Kulturchampignon, sein. Bei uns verwildern die Kultursorten immer wieder über Küchenabfälle; er ist auf sehr nährstoffreiches Substrat angewiesen und wird dementsprechend vor allem auf Komposthaufen, Misthaufen und stark gedüngten Wiesen und Äckern gefunden.

 

Parasitische Neomyzeten auf heimischen Pflanzen oder Tieren wurden aus Gebieten eingeschleppt, in denen ihre Wirte durch Koevolution an sie angepasst waren, während die neuen Wirte im nicht natürlichen Verbreitungsgebiet des Parasiten oft keine oder nur sehr geringe Resistenz haben. Dies führte bzw. führt dazu, dass sich die Parasiten nach der Einschleppung epidemisch und ungebremst ausbreiten und oft ganze Wirtspopulationen ausrotten können. Wichtige Beispiele für solche eingeschleppte Parasiten, die für heimische Arten zu einer Bedrohung geworden sind, umfassen etwa bei Pflanzen Ophiostoma ulmi und O. novo-ulmi, die Erreger des Ulmensterbens; Cryphonectria parasitica, den Erreger des Kastanienrindenkrebses und Phytophthora sp. (Ph. cambivora x Ph. fragariae), den Erreger des Erlensterbens; bei Tieren Aphanomyces astaci, den Erreger der Krebspest und den Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis, den Erreger der Chytridiomykose, der Amphibien befallen kann. Fast alle dieser problematischen Neomyzeten stammen entweder aus Ostasien oder Nordamerika.

 

Das Ulmensterben ist in Europa das vielleicht bekannteste und drastischste Beispiel für negative ökologische Folgen von eingeschleppten pilzlichen Parasiten (Ophiostoma sp.) Die Heimat von Ophiostoma ulmi und O. novo-ulmi ist unbekannt und wird in Ostasien (Himalayagebiet?) vermutet. Das Ulmensterben wurde erstmals 1919 in Holland nachgewiesen und breitete sich rasch über ganz Europa aus. Überträger sind zwei Arten des Ulmensplintkäfers (Scolytus scolytus und S. multistriatus), die den Pilz von Baum zu Baum ausbreiten und so einen Befall überhaupt erst möglich machen. In der Folge wurde Ophiostoma ulmi auch in Nordamerika eingeschleppt, wo der Pilz die dort heimischen Ulmen stark dezimierte. Nach dieser ersten Erkrankungswelle, die von Ophiostoma ulmi hervorgerufen wurde, stellte sich ein Gleichgewicht ein und die Ulmenbestände erholten sich etwas, bis um das Jahr 1970 ein weiterer Krankheitsschub folgte. Dieser wurde durch die neu eingeschleppte Art Ophiostoma novo-ulmi hervorgerufen. Diese Art ist um einiges aggressiver als O. ulmi, breitete sich in der Folge rasch aus und vernichtete auch gegen O. ulmi resistente Wirtspopulationen. Mittlerweile ist O. novo-ulmi in ganz Österreich dominant und hat O. ulmi bereits vollständig verdrängt.

 

Als Beispiel eines parasitischen Neomyzeten mit dramatischen Folgen für heimische Tiere soll hier Aphanomyces astaci, der Erreger der Krebspest, dienen. Diese Art, die 1879 in Österreich mit dem Import nordamerikanischer Flusskrebse eingeschleppt wurde, breitete sich in der Folge rasch über ganz Europa aus und vernichtete einen Großteil der heimischen Flusskrebspopulationen.