Der Einfluss nicht heimischer Arten auf Gene, Arten und Ökosysteme

Seit dem Neolithikum verändert der Mensch die Umwelt nach seinen Vorstellungen. Dieser Prozess hat in den letzten Jahrhunderten, vor allem aber in den letzten Jahrzehnten, zunehmend an Dynamik gewonnen. Einerseits wurden viele Tiere und Pflanzen zurückgedrängt und finden sich heute auf den Roten Listen gefährdeter Arten wieder. Andererseits wurden, meist unbeabsichtigt und unbeachtet, zuweilen auch bewusst und gezielt, Tiere und Pflanzen importiert und ausgebracht, von denen sich manche an den neuen Standorten etablieren konnten.

 

Diese sogenannten Neobiota (Neubürger) oder "Aliens" werden von wissenschaftlicher Seite zunehmend als eine ernstzunehmende Bedrohung der heimischen Fauna und Flora erkannt. In der Diskussion spricht man auch vom Phänomen der "McDonaldisierung", der globalen Homogenisierung der Tier- und Pflanzenwelt. Diese Gefährdung besteht besonders für Gebiete mit einem hohen Anteil endemischer Arten, wie etwa Inseln (z.B. Neuseeland, Hawaii) oder Seen (z.B. Viktoriasee), in denen Neobiota tief greifende Veränderungen verursacht haben.

 

Die natürlichen Ökosysteme der kontinentalen Festländer, z.B. Mitteleuropas und somit auch Österreichs, wurden und werden seltener von Neobiota besiedelt als die oben erwähnten Gebiete. Dennoch treten auch hier in manchen Biotoptypen Neobiota mit naturschutzfachlich negativ zu beurteilenden Auswirkungen auf. In den vom Menschen geschaffenen naturfernen land- und forstwirtschaftlichen Monokulturen können Neobiota zu wirtschaftlich relevanten Faktoren werden.

 

Trotz der bisher geringen Zahl potenziell oder tatsächlich problematischer Arten in Österreich ist es angebracht, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und das Problembewusstsein für das Thema Neobiota zu stärken.

 

Neobiota werden von der Öffentlichkeit vermehrt dann wahrgenommen, wenn sie sich rasch ausbreiten oder zu unmittelbaren Problemen für den Menschen führen (z.B. Drüsiges Springkraut, Robinie, Rosskastanienminiermotte, Spanische Wegschnecke). Andere Neubürger werden hingegen ganz selbstverständlich zur heimischen Fauna oder Flora gezählt (z.B. Rosskastanie) oder sogar per Gesetz als solche behandelt (z.B. Regenbogenforelle). Andere werden weiterhin bewusst gefördert oder in Unkenntnis der Auswirkungen ausgesetzt (z.B. Signalkrebs), manche sind jedoch nur wenigen Spezialisten der Tier- oder Pflanzengruppen bekannt.

 

Mehr Informationen: Neobiota in Österreich. Der Einfluss nicht-heimischer Arten auf Gene, Arten und Ökosysteme