Genetische Vielfalt

Genetische Vielfalt bezeichnet das Vorliegen voneinander abweichender genetischer Informationen bei Individuen derselben Art. Darauf beruhen unterschiedliche individuelle Eigenschaften, die unter anderem auch spezifische Reaktionen der Organismen auf Umwelteinflüsse ermöglichen. Diese flexiblen Reaktionsmöglichkeiten auf Lebensraumanforderungen sind Grundlage für die Stabilität von Ökosystemen.

 

Die genetische Vielfalt innerhalb von Arten, die Vielfalt der Arten selbst und die Vielfalt an Ökosystemen werden unter dem Begriff biologische Vielfalt zusammengefasst.

 

Die genetische Vielfalt ist Voraussetzung für die Anpassungsfähigkeit von Pflanzen und Tieren an veränderte Lebensraumbedingungen, Umwelteinflüsse oder Krankheiten. Sie ist daher für einzelne Populationen und die gesamte Art überlebenswichtig.

 

Die Anpassungsfähigkeit von Arten an geänderte klimatische Verhältnisse wird in Zukunft auch eine große Rolle in Österreich spielen: Der für die kommenden Jahrzehnte prophezeite Anstieg der mittleren Jahrestemperaturen und der Niederschlagsrückgang in den Sommermonaten werden veränderte Lebensraumbedingungen in heimischen Ökosystemen verursachen und so eine Adaptation vieler Arten erforderlich machen. Diese Flexibilität wird bei Arten mit hoher genetischer Vielfalt eher anzutreffen sein als bei anderen. So können z. B. Baumarten, deren Populationen die Fähigkeit zur Bildung längerer Wurzeln besitzen oder dickere Blattoberflächen bilden können, auf niederschlagsärmere Bedingungen besser reagieren und werden längere Trockenperioden eher unbeschadet überleben können.

 

Diese genetisch bedingte Anpassungsfähigkeit der Arten wird im Zuge des fortschreitenden Klimawandels den Ausschlag darüber geben, in welcher Zusammensetzung Lebensgemeinschaften fortbestehen können. Davon werden in Zukunft auch die Funktionsfähigkeit und die Leistungsfähigkeit ganzer Ökosysteme abhängen.

Erhaltung Sortenvielfalt

Die weltweite Konzentration der Saatgutindustrie bedingt eine enorme Reduzierung der Sortenvielfalt und führt zum Verlust traditioneller Zuchtmethoden. Das genetische Potential muss jedoch an möglichst vielen Standorten verfügbar gemacht werden. Das bäuerliche Recht, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen, zu tauschen und zu vermarkten, darf nicht zunichte gemacht werden. Mit der EU-Richtlinie 2008/62/EG (Erhaltungssortenrichtlinie) soll die Zulassung und Inverkehrbringung von Landsorten und seltenen Sorten erleichtert werden.